Risikofaktor Ernährung: Jeder fünfte Todesfall geht auf das Konto einer ungesunden Diät


  • Dr. Stefanie Reinberger
  • Studien – kurz & knapp
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Kernaussagen

  • Weltweit stand in 2017 einer von 5 Todesfällen – das sind insgesamt 11 Millionen Tote – im Zusammenhang mit einer schlechten Ernährung und damit verbundenen Erkrankungen.

  • Unter den Erkrankungen, die durch die Ernährung mitverursacht werden, standen kardiovaskuläre Erkrankungen an erster Stelle, gefolgt von Krebs und Diabetes Typ 2.

  • Laut der vorliegenden Studie verursacht ein Mangel an gesunden Nahrungsbestandteilen mehr Todesfälle als der Konsum ungesunder Lebensmittel.

 

Hintergrund

Epidemiologische Studien zeigen, dass ein Zusammenhang zwischen spezifischen Ernährungsfaktoren - wie Obst und Gemüse sowie verarbeitetem Fleisch und Transfetten - und dem Risiko für Herzkreislauferkrankungen, Diabetes und Darmkrebs besteht. Bislang wurde allerdings nicht systematisch untersucht, welchen Einfluss eine unzureichende Ernährung hat. Die vorliegende Studie hatte daher zum Ziel, den Konsum der wichtigsten Lebensmittel und Nährstoffe in 196 Ländern zu untersuchen und herauszufinden, welchen Einfluss ein Mangel auf die Erkrankungsrate und Sterblichkeit hat.

 

Studiendesign

Um den Einfluss einer unzureichenden Ernährung auf nichtübertragbare chronische Erkrankungen zu ermitteln, wurden zunächst 15 relevante Lebensmittel und Nährstoffe ausgewählt: Obst, Gemüse Hülsenfrüchte , Vollkornprodukte, Nüsse und Kerne, Milch, Ballaststoffe, Kalzium, Omega-3-Fettsäuren aus Seefisch, mehrfach ungesättigte Fette, rotes Fleisch, verarbeitetes Fleisch, zuckerhaltige Getränke, Transfette sowie Salz. In eine r systematischen Literaturstudie wurden Studien aus 195 Ländern ausgewertet, um den Konsum dieser 15 Lebensmittel und Nährstoffe zu erfassen und ihren jeweiligen Einfluss auf die Erkrankungsrate und Sterblichkeit im Zusammenhang mit einer bestimmten nichtübertragbaren chronischen Erkrankung zu ermitteln.

 

Hauptergebnisse

  • Einer von fünf Todesfällen weltweit geht auf das Konto einer mangelhaften Ernährung, beziehungsweise wäre durch eine bessere Ernährung vermeidbar gewesen.

  • Die geschätzte Zahl der ernährungsbedingten Todesfälle ist seit 1990 von 8 Millionen auf 11 Millionen im Jahr 2017 angestiegen.

  • Ernährungsgewohnheiten, die durch viel Salz, wenig Vollkornprodukten und wenig Früchten charakterisiert sind, sind für mehr als die Hälfte der ernährungsbedingten Erkrankungen verantwortlich.

  • Insgesamt zeigte sich, dass sich ein Mangel an gesunden Ernährungsbestandteilen stärker auf die Zahl der ernährungsbedingten Todesfälle auswirkt als ein Zuviel an ungesunden Nahrungsmitteln.

  • Das Land mit den meisten ernährungsbedingten Todesfällen in 2017 war Usbekistan – zehnmal mehr Menschen starben an den Folgen ihrer mangelhaften Ernährung als in Israel, dem Land mit der niedrigste Sterberate im Zusammenhang mit Ernährungsgewohnheiten.

  • Der Verzehr der 15 ausgewählten Ernährungsbestandteile war in fast weltweit unzureichend. Dabei gab es starke regionale Unterschiede: So war in Zentralasien der Verzehr von Gemüse optimal. Im asiatisch-pazifischen Raum war der Konsum von Omega-3-Fettsäuren aus Seefisch herausragend. In der Karibik, den tropischen Regionen Südamerikas, Südasien sowie den westlichen und östlichem Subsahara-Ländern  war der Genuss von Hülsenfrüchten.

  • Global gesehen wurde ein großer Mangel an Nüssen und Kernen, Milch sowie Vollkornprodukten verzeichnet. Ein Zuviel gab es insbesondere bei zuckerhaltigen Getränken, verarbeitetem Fleisch und Salz.

     

Klinische Bedeutung

Diese Studie bestätigt, was viele seit Jahren vermuten – dass eine schlechte Ernährung für mehr Todesfälle verantwortlich ist. Eine schlechte Ernährung ist der größte Risikofaktor in der Welt“, sagt Studienautor Christopher Murray, Director des Institute for Health Metrics and Evaluation an der University of Washington, USA. Aufgrund der Ergebnisse wird deutlich, dass die Ernährung weltweit einer Verbesserung bedarf.

 

Limitierung

  • Es kann nicht gänzlich ausgeschlossen werden, dass andere Faktoren wie Geschlecht, Rauchen und Bewegung einen Einfluss auf die Sterblichkeit haben.

  • Der Effekt von Unterernährung und Übergewicht wurde nicht berücksichtigt.

 

Finanzierung

Bill & Melinda Gates Foundation