Risiko für invasiven Ovarialkrebs bei stillenden Müttern um ein Viertel reduziert

  • JAMA Oncology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die gepoolte Analyse von 13 Fall-Kontroll-Studien ergab eine Risikoreduktion für invasiven Ovarialkrebs von 24 % bei Frauen, die ihre Kinder gestillt hatten. Die Assoziationen wurden mit der Dauer des Stillens größer und nahmen mit dem Abstand zur letzten Still-Periode ab.

Hintergrund

Viel Vorteile des Stillens für Mutter und Kind sind wissenschaftlich gut belegt. Manche, aber nicht alle Studien, weisen auf ein verringertes Risiko für Eierstockkrebs hin. Unklar ist den Autoren zufolge, ob die vermeintliche Risikoreduktion allein durch die Schwangerschaft erklärt werden kann und ob sie sich zwischen den prinzipiellen Histotypen der Krankheit unterscheidet. Schließlich waren die bislang berichteten Assoziation zwischen der Dauer und dem Zeitraum des Stillens mit dem Eierstockkrebs inkonsistent.

Design

Gepoolte Analyse der Daten von 9973 Müttern mit Ovarialkrebs unterschiedlicher Histotypen und 13843 Kontrollen aus 13 Fall-Kontroll-Studien des Ovarian Cancer Association Consortium. Ausgewertet wurden Angaben zum Stillen einschließlich der Dauer pro Kind, dem Alter beim ersten und letzten Mal und der seitdem vergangenen Zeit. Dem gegenübergestellt wurden die Diagnosen mit epithelialen Ovarialkarzinomen.

Ergebnisse

  • Die Frauen in beiden Gruppen waren durchschnittlich etwa 57 Jahre alt.
  • Das Stillen war mit einem um 24 % niedrigeren Risiko assoziiert, an einem invasiven Ovarialkarzinom zu erkranken. Das entspricht einem Chancenverhältnis OR von 0,76 bei einem 95%-Konfidenzintervall von 0,71 – 0,80.
  • Unabhängigkeit von der Zahl der Schwangerschaften hatten Frauen, die jemals gestillt hatten, eine niedrigeres Risiko für alle invasiven Typen des Ovarialkrebses, insbesondere für die hochgradig serösen und endometrialen Tumoren.
  • Eine einzelne Episode des Stillen von durchschnittlich 1 bis 3 Monaten Dauer war mit einem um 18 % niedrigeren Risiko assoziiert (OR 0,82; 95%-Konfidenzintervall 0,76 – 0,88). Mütter, die 12 oder mehr Monate lang gestillt hatten, hatten ein um 34 % niedrigeres Risiko (OR 0,66; 95%-KI 0,58 – 0,75).
  • Kürzere Zeiträume seit der letzten Still-Episode waren mit nochmals stärkeren Reduktionen des Risikos assoziiert. Die OR für die ersten 10 Jahre betrug hier 0,56 und nach mindestens 30 Jahren noch 0,83. Auch dieser Trend war statistisch signifikant (P = 0,02).

Bedeutung

Die Assoziationen in dieser Studie sind eindeutig. Geht man von einer Ursache-Wirkungsbeziehung aus, so bestätigen die Forscher des Ovarian Cancer Association Consortium nicht nur die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation, in den ersten 6 Monaten ausschließlich zu stillen und dies (mit Zufütterung) 2 oder mehr Jahre fortzusetzen. Darüber hinaus wird eine signifikante Risikoreduktion schon unterhalb einer Stilldauer von 3 Monaten aufgezeigt. Es bleiben aber die Caveats von retrospektiven Fall-Kontroll-Studien bezüglich möglicher Verzerrungen, die nur durch prospektive Untersuchungen geklärt werden können.

Finanzierung: US National Cancer Institute u.v.a.