Risiko für Bluthochdruck nach IvF möglicherweise erhöht


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Kinder, die nach einer künstlichen Befruchtung geboren wurden, könnten ein höheres Risiko haben, später im Leben an Bluthochdruck zu erkranken.

Hintergrund

Eine frühere Studie hat bei Kindern, die nach einer IvF geboren wurden, Hinweise auf eine vorzeitige Gefäßalterung festgestellt. In Tierversuchen ist gezeigt worden, dass dies zu Bluthochdruck führen kann. In der vorliegenden klinischen Folgestudie ist nun untersucht worden, wie sich die früher festgestellte vorzeitige Gefäßalterung bei den Kindern im Laufe der Jahre entwickelt hat.

Design

An der Studie nahmen 54 Kinder teil, die nach einer IvF geboren wurden. Zur Vergleichs-Gruppe gehörten 43 hinsichtlich Alter und Geschlecht passende, herkömmlich gezeugte Kinder bwz. Jugendliche. Bei der ersten Untersuchung der nach IvF geborenen Kinder waren diese etwa 11 Jahre alt, bei der nun erfolgten Untersuchung 17 Jahre. Untersucht wurden Parameter wie die fluss-vermittelte Dilatation der Arteria brachialis, die Pulswellen-Geschwindigkeit und die Intima-Media-Dicke der Karotis. Zudem wurden ambulante 24-Stunden-Blutdruckmessungen vorgenommen.

Hauptergebnisse

Zeichen einer vorzeitigen Gefäß-Alterung waren weiterhin vorhanden. So war zum Beispiel die Brachialis-Dilatation beeinträchtigt und die Pulswellen-Geschwindigkeit erhöht.

Der wichtigste Befund war laut den Autoren allerdings, dass die Blutdruck-Werte der Jugendlichen der IvF-Gruppe signifikant höher waren als die der Jugendlichen der Kontroll-Gruppe (systolischer Wert: 119,8 mmHg versus 115,7 mmHg; diastolischer Wert: 71,4 versus 69,1 mmHg). Außerdem erüllten acht Jugendliche der IvF-Gruppe die Kriterien einer Hypertonie (>130/80 mm Hg und/oder >95. Perzentile).

Klinische Bedeutung

Die Autoren schlussfolgern aus ihrer Studie, dass die künstliche Befruchtung an sich zu einer Hypertonie führen kann. Eine hormonelle Stimulation schließen sie als Ursache aus. Bemerkenswert an den Ergebnissen der aktuellen Studie sei, dass die kardiovaskulären Veränderungen auch mehrere Jahre später noch nachweisbar gewesen seien, so Prof. Dr. Michael von Wolff, Leiter der Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin am Universitätsspital Bern, in einem Kommentar zur der Publikation. Die Schlussfolgerung der Autoren, „dass ausschliesslich die IvF-Therapie als solche ursächlich sein muss“, hält Michael von Wolff allerdings für nicht haltbar. Von Bedeutung könnte auch die Hormonstimulation sein. Eine mögliche Konsequenz könnte in diesem Fall sein, die Hormonstimulation zu reduzieren, „da auch IVF-Therapien ohne eine Hormonstimulation durchgeführt werden können“. 

Finanzierung: Swiss National Science Foundation, Placide Nicod Foundation, Schweizer Hypertonie-Gesellschaft, Schweizer Gesellschaft für Kardiologie und Mach-Gaensslen Stiftung Schweiz