Risiko für Anstieg der HCV-Neuinfektionen – sind Übertragungsrouten aus dem Ausland der Grund?


  • Dr. Stefanie Reinberger
  • Medizinische Nachrichten
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Kernaussage

  • Wenn Schweizer Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), sich im Ausland infizieren und die Infektion so in die Schweiz einführen, könnte sich die Zahl der Neuinfektionen wieder erhöhen, befürchten Experten.

  • Die vorliegende Studie zeigt jedoch: Die meisten HIV-positiven Schweizer MSM infizieren sich wahrscheinlich nicht im Ausland, sondern in der Schweiz mit HCV.

 

Hintergrund

In der Schweiz ist die Anzahl der Personen mit einer HCV-Infektion bei HIV-positiven Männern, die Sex mit Männern haben, in den letzten Jahren erheblich gesunken. Grund dafür ist eine gute Verfügbarkeit der neuen hochwirksamen HCV-Medikamente. Die Zahl der Neuinfektionen könnte jedoch wieder ansteigen, wenn sich viele Männer im Ausland mit HCV anstecken, so die Befürchtung. Die vorliegende Studie untersuchte daher, woher die HCV-Infektionen in der Gruppe der HIV-positiven MSM stammen.

Studiendesign

Im Rahmen der Schweizerischen HIV Kohortenstudie wurde erhoben, wie viele der HIV-positiven MSM sich zwischen 2000 und 2016 im Ausland mit HCV infiziert haben und wie viele in der Schweiz. Dafür wurden die Virusstämme, der 99 Infizierten molekularbiologisch analysiert und aus den Daten Stammbäume erstellt, um daraus die Herkunft der Infektionen abzuleiten.

Hauptergebnisse

  • Alle Virusstämme waren so genannte Genotyp 1a-Infektionen. Dabei handelt es sich um den Genotyp, der bei MSM am häufigsten vorkommt.

  • Bei 50 bis 80% der Infektionen handelte es sich um Schweizer Virusstämme. Das heißt, die Personen hatten sich wahrscheinlich in der Schweiz mir HCV angesteckt.

  • Zwischen 2000 und 2007 betrug der Anteil der Schweizer Virusstämme 54%. Etwas mehr als die Hälfte der MSM hatte sich wahrscheinlich in der Schweiz mit HCV angesteckt.

  • Zwischen 2008 und 2017 stieg der Anteil der in der Schweiz erworbenen HCV-Infektionen auf bis zu 85% an. Es fanden sich keine Hinweise, dass diese Infektionen von Personen stammten, die intravenös Drogen konsumierten.

Klinische Bedeutung

Die Studie zeigt, dass unter HIV-positiven MSM zwar internationale Übertragungsrouten für HCV existieren. Allerdings hat die Studie auch ergeben, dass sich die meisten MSM wahrscheinlich in der Schweiz mit HCV angesteckt hatten und nicht im Ausland. Dennoch gilt es nach Aussage der Studienautoren, die Übertragungsketten aus dem Ausland aufzudecken, um eine weitere Verbreitung von HCV einzudämmen.

Limitierungen

Virusstämme aus europäischen Ländern sind in den Datenbanken möglicherweise unterrepräsentiert. Dies könnte die Herkunftsanalysen verfälschen.

 

Finanzierung

Schweizerischer Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung, Schweizerische HIV Kohortenstudie und andere