Rheumatologische Erkrankungen und COVID-19: Handlungsempfehlungen aktualisiert

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  • von Dr. med. Thomas Kron
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Kernbotschaften

Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie hat ihre Handlungsempfehlungen für die medizinische Versorgung von Patienten mit entzündlich rheumatischen Erkrankungen während der SARS-CoV-2/COVID-19-Pandemie aktualisiert. 

Neue Erkenntnisse gewonnen

Bereits früh im Verlauf der Corona-Pandemie hat sich die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) mit Verhaltens- und Therapieempfehlungen an Rheuma-Patienten und ihre behandelnden Ärzte gewandt. Während die ersten Empfehlungen sich oft noch auf allgemeine Erkenntnisse zur Infektanfälligkeit von Rheuma-Patienten stützen mussten, liegen inzwischen Fallberichte, Registerdaten und erste Studien vor, die detailliertere Aussagen zu den Erkrankungsrisiken dieser Patienten erlauben. Die neuen Erkenntnisse haben nun Eingang in eine aktualisierte Fassung der Therapieempfehlungen gefunden, wie die Fachgesellschaft mitteilt. 

Weitgehende Entwarnung

Auf den ersten Blick geben die neuen Empfehlungen weitgehend Entwarnung: Rheuma-Patienten haben den bisher zusammengetragenen Daten zufolge kein erhöhtes Risiko, sich mit SARS-CoV-2 anzustecken. „Auch das Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 scheint nicht erhöht zu sein“, sagt Professor Dr. med. Hendrik Schulze-Koops, Präsident der DGRh und Leiter der Rheumaeinheit am Klinikum der LMU München. Doch gelte diese Entwarnung mit Einschränkungen: Einige der bekannten, allgemeinen Risikofaktoren für schwere Verläufe wie ein höheres Lebensalter, männliches Geschlecht, Rauchen, Diabetes, starkes Übergewicht oder vorbestehende Lungen-, Herz- oder Nierenerkrankungen seien bei Rheuma-Patienten häufiger als im Bevölkerungsdurchschnitt. Sie dürften daher nicht außer Acht gelassen werden. Durch die entzündlich-rheumatische Erkrankung selbst scheine das Corona-Risiko dagegen nur dann erhöht zu sein, wenn die Patienten Glukokortikoide („Cortison“) in einer Dosis von 10 Milligramm und mehr pro Tag einnähmen oder wenn die Erkrankung gerade besonders aktiv sei.

Insgesamt zehn Kernempfehlungen

In den zehn Kernempfehlungen, die die Experten zusammengestellt haben, wiederholen sie daher ihren Rat, eine gut eingestellte Rheuma-Medikation nicht allein aus Sorge vor COVID-19 zu verändern. „Ein Umstellen der Medikation geht oft mit einem Aufflammen der rheumatologischen Grunderkrankung einher und erhöht das COVID-19 Risiko dann erst recht“, erklärt Prof. Dr. med. Christof Specker, Direktor der Klinik für Rheumatologie und Klinische Immunologie am Klinikum Essen-Mitte. Lediglich bei Patienten mit positivem SARS-CoV-2-Abstrich und/oder bereits beginnenden COVID-19-Symptomen solle die Therapie mit Biologika und bestimmten anderen immunmodulierenden Rheumamedikamenten unterbrochen werden, so der Sprecher der Ad-hoc Kommission COVID-19-Register der DGRh. Eine Therapie mit Glukokortikoiden unter 10 Milligramm pro Tag könne dagegen fortgesetzt werden.

Besonderes Augenmerk richten die Rheumatologen darauf, Alltag und Versorgung der Patienten nicht unnötig einzuschränken. In der Regel sei es nicht gerechtfertigt, Rheuma-Patienten allein aufgrund einer angenommenen Gefährdung durch COVID-19 Arbeitsunfähigkeit zu attestieren, heißt es in den Empfehlungen. Auch dürfe keinesfalls auf medizinisch notwendige Eingriffe und Therapien verzichtet werden. Selbstverständlich sollten auch Rheuma-Patienten sich an die allgemein geltenden Hygiene- und Abstandsregeln halten, außerdem empfiehlt die DGRh die Benutzung der Corona-Warn-App.

Dynamisches Geschehen macht weitere Aktualisierungen wahrscheinlich

Auch wenn die Datenbasis im Vergleich zum Frühjahr bedeutend breiter geworden ist, betonen die Rheumatologen, dass die Evidenz noch keineswegs so belastbar sei wie sonst bei Behandlungsempfehlungen üblich. „Es liegt bei einem so jungen und dynamischen Geschehen wie der COVID-19-Pandemie in der Natur der Sache, dass zum Beispiel noch keine randomisiert-kontrollierten Studien vorliegen“, sagt Specker. Um dem beständigen Eintreffen neuer Erkenntnisse Rechnung zu tragen, wird die DGRh ihre Empfehlungen auch weiterhin regelmäßig aktualisieren und auf ihrer Homepage und in Fachmedien veröffentlichen.