Rheumatoide Arthritis und Placebo: subjektive Besserungen korrelieren mit objektiven Laborwerten

  • JAMA Network Open

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine Querschnittuntersuchung von randomisierten, placebokontrollierten Studien zur Behandlung von rheumatoider Arthritis ergibt: Schmerzen werden in den Placebogruppen ähnlich klinisch relevant reduziert wie Laborparameter für Entzündungen, zum Beispiel CRP-Werte und die Blutsenkungsgeschwindigkeit. Verbesserungen der klinischen Ergebnisse unter Placebo sind also nicht nur subjektiv, sondern korrelieren mit objektiv messbaren Werten.

Hintergrund
In vielen prospektiven, kontrollierten Phase-3-Studien mit Medikamenten gegen rheumatoide Arthritis (RA) gibt es starke Placeboeffekte, so dass die Unterschiede zu den Verumgruppen vergleichsweise gering und nicht statistisch signifikant sind. Damit erreichen möglicherweise Medikamente, die für Patienten einen bedeutenden Effekt hätten, nicht die Zulassung. In einer Querschnittuntersuchung wurden 5 randomisierte, placebokontrollierte Studien auf solche Placeboeffekte geprüft und dabei jeweils die Ausgangswerte der einzelnen Patienten mit denen zum Prüfzeitpunkt verglichen.

Design

  • Form der Studie: Querschnittuntersuchung von 5 prospektiv randomisierten, placebokontrollierten Gesamtteilnehmerzahl in den Placebogruppen: 788
  • Studienparameter: Veränderungen auf der Schmerzskala zu Woche 12 und zu Woche 24 (0- bis 100-mm visuelle Analogskala; Patientenberichte) und Veränderungen der Werte von C-reaktivem Protein (CRP) und Erythrozytensenkungsgeschwindigkeit (ESG; Laborberichte).

Hauptergebnisse

  • Es ergaben sich statistisch signifikante Verminderungen der Schmerzintesität in den Placebogruppen, nämlich zu Woche 12 von durchschnittlich −14 mm und in Woche 24 von durchschnittlich −20 mm auf der visuellen Analogskala.
  • Auch die CRP-Werte reduzierten sich statistisch signifikant: um durchschnittlich −0,51 mg/dL zu Woche 12 und um −1.16 mg/dL zu Woche 24.
  • Bei den ESG-Werten betrugen die Differenzen durchschnittlich −11 mm/h zu Woche 12 und −25 mm/h zu Woche 24.
  • All diese Unterschiede waren mit P-Werten
  • Ein Vergleich mit den Ausgangswerten der einzelnen Patienten legt den Schluss nahe, dass die Placebowirkungen – zumindest teilweise – Regression zum Mittelwert sind, also ein statistisches Phänomen.

Klinische Bedeutung

Die Placeboeffekte in prospektiv randomierten, placebokontrollierten Studien sind nicht nur subjektive Eindrücke von Patienten, sondern korrelieren mit Messwerten aus dem Labor. Möglicherweise handelt es sich dabei um statistische Phänome. Diese Möglichkeit sollte in der Planungsphase kritischer Studien kritischer berücksichtigt werden, um statistische Ursachen starker Placeboeffekte zu vermeiden.

Finanzierung: keine Angaben