Rheumatoide Arthritis: Niedrig dosierte Steroide halten Krankheit dauerhaft auf niedrigem Niveau

  • Lancet

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Bei Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) kann Prednison länger als die derzeit empfohlenen maximal 3 Monate gegeben werden, wenn die Dosierung niedrig ist (≤ 5 mg Prednisonäquivalent pro Tag). Das ist eine Option für Patienten, die gut in Remission gekommen sind, aber noch eine geringe Krankheitsaktivität habven. Die Therapie ist sicher und führt zu einem durchschnittlich signifikant besseren klinischen Ergebnis als das komplette Ausschleichen der Steroide.

Hintergrund

Glukokortikoide sind ein wichtiger Eckpfeiler der Behandlung von Patienten mit RA: Sie werden vor allem zu Beginn der Therapie angewendet und mit krankheitsmodifizierenden Substanzen wie Methotrexat kombiniert, um eine Remission zu induzieren. Die Langzeitanwendung von Steroiden allerdings ist mit einer erhöhten Morbidität und Mortalität assoziiert, vor allem mit einem Cushing-Syndrom, einer Erhöhung des Risikos für kardiovaskuläre und metabolische Erkrankungen (Diabetes mellitus, Hypertonie) und vermehrtem Abbau der Knochensubstanz. Deshalb wird in den meisten Leitlinien empfohlen, Glukokortikoide 10 mg Prednisonäquivalente täglich zu dosieren und möglichst nicht länger als 3 Monate zu geben. In der randomisierten, doppelblinden SEMIRA-Studie ist geprüft worden, ob niedrig dosiertes Prednison über längere Zeit eine Remission besser erhält als das komplette Ausschleichen der Substanz und ob sie sicher ist.

Design

  • Studienform: multinationale prospektiv randomisierte, kontrollierte und verblindete Studie unter Federführung der Charité Berlin
  • Einschlusskritierien: erwachsene RA-Patienten unter einer Behandlung mit Biologika (Tocilizumab) plus Glukokortikoiden (5–15 mg/Tag) für mindestens 24 Wochen, wenn sie mindestens 4 Wochen Prednison 5 mg/Tag erhalten und eine niedrige Krankheitsaktivität erreicht hatten
  • Krankheitsaktivität: bestimmt nach dem Disease Activity Score für 28 Gelenke plus Blutsenkungsgeschwindigkeit (DAS28-ESR); DAS28-ESR-Wert maximal 3,2 für 4–6 Wochen vor
  • Randomisierung: 1 : 1 in zwei Therapiearme
    • weiterhin Prednison (verblindet) 5 mg/Tag oder
    • Ausschleichen (verblindet) mit einer Reduktion um 1 mg/Tag alle 4 Wochen bis zur Dosis 0 in Woche 16
  • Primärer Endpunkt: durchschnittliche Änderung des DAS28-ESR zwischen Basiswert bei Randomisierung bis Woche 24, bestimmt nach der Methode der kleinsten Quadrate; eine Differenz von > 0,6 zwischen beiden Gruppen wurde als klinisch relevant bewertet

Hauptergebnisse
Zwischen Oktober 2015 und Juni 2017 wurden 421 Teilnehmer gescreent und 259 in die Studie aufgenommen. Bei allen 128 Patienten in der Prednisongruppe war das klinische Ergebnis besser als bei den 131 Teilnehmern, die in die Gruppe zum Ausschleichen der Therapie randomisiert worden waren. Die durchschnittliche Verminderung des DAS28-ESR vom Ausgangswert bei Randomisierung bis Woche 24 betrug 0,54 in der Gruppe mit Ausschleichen der Behandlung und -0,08 in der Gruppe mit kontinuierlichem, niedrig dosiertem Prednison. Dies entsprach einer Differenz von 0,61 [0,35–0,88] und war statistisch hoch signifikant (p

Klinische Bedeutung
Eine niedrig dosierte Prednisontherapie als Erhaltung einer guten Remission der Rheumatoiden Arthritis ist klinisch von Vorteil gegenüber einem kompletten Ausschleichen der Steroide: Die Krankheitsaktivität bleibt niedrig, schwere unerwünschte Wikrungen sind selten (5 % bei Auschleichen, 3 % bei weitergeführter Therapie). Nach Meinung der Autoren ist die niedrig dosierte Prednisontherapie für bestimmte Patienten eine Option. Die Beobachtungsdauer in dieser Studie betrug allerdings nur 24 Wochen im Anschluss an die 24 Wochen der initialen Behandlung.

Finanzierung: Hoffman-La Roche