Rheumatoide Arthritis: Gentest zur Vorhersage des Ansprechens auf Biologika validiert

  • The Lancet

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Durch eine molekularbiologische Analyse, die Varianten dreier Gene untersucht, lässt sich bei früher rheumatoider Arthritis (RA) vorhersagen, welche Patienten am ehesten von einer Kombinationstherapie aus Adalimumab plus Methotrexat profitieren werden. Bei bestimmten genetischen Konstellationen dagegen ist durch Hinzufügen des TNF-Blockers zu Methotrexat kein wesentlicher Vorteil zu erwarten. Der Gentest wird daher empfohlen (1).

Hintergrund
Mehr als 500.000 Menschen in Deutschland leiden unter einer RA. Nur eine frühe, effektive Behandlung kann irreversiblen Schäden an Gelenken vorbeugen, so dass die Wahl der Primärtherapie maßgeblich ist für den weiteren Krankheitsverlauf. Initial wird meist Methotrexat (MTX) verordnet. Eine Phase-3-Studie mit Patienten, die maximal ein Jahr vor Therapiebeginn die Diagnose RA erhalten hatten (frühe RA), hatte ergeben, dass sich mit der Kombination MTX plus Adalimumab (ADA) bei einem Teil der Patienten das Ziel einer höchstens geringen Krankheitsaktivität erreichen und für längere Zeit stabilisieren ließ als mit MTX alleine (2). In einer pharmakogenetischen Analyse der Optima-Studie wurden Assoziationen des Ansprechens mit Genvarianten in den Loci HLA-DBR1, dem IgG-Fc-Rezeptor FcγRIIb und dem Interleukin-4-Rezeptor (IL-4-R) untersucht (1). Varianten in diesen Genloci haben Einfluss auf die Pathogenese der RA und ihren Verlauf.

Design

  • 1.032 Teilnehmer der Optima-Studie erhielten als Induktionsbehandlung randomisiert entweder MTX plus Placebo oder MTX plus ADA und konnten die jeweilige Behandlung bei gutem Ansprechen für weitere 52 Wochen fortsetzen
  • Untersuchung des Ansprechens nach den ACR-Kriterien auf Assoziationen mit drei Kandidatengenen: HLA-DBR1, FcγRIIb und IL-4-R

Hauptergebnisse
Die Kombination MTX plus ADA war umso effektiver, je mehr Kopien ein Patient von so genannten „shared epitopes“ des HLA DBR1-Gen hatte. Auf den Erfolg einer Behandlung mit MTX allein hatte die Zahl „shared-epitope“-Kopien dagegen keinen Einfluss.

Die Wahrscheinlichkeit für ein frühes Ansprechen auf ADA in Kombination mit MTX ist außerdem bei einer bestimmten Variante im Gen FcγRIIb erhöht, die der Gentest nachweist. Und schließlich zeigt eine Mutation im IL4R-Gen an, dass es unter der Behandlung mit MTX allein wahrscheinlich zu einem Progress der Erkrankung mit Fortschreiten von Gelenkzerstörungen kommen wird. Eine zusätzliche Behandlung mit Adalimumab konnte in der Studie den Progress bei Patienten mit IL4R-Genmutation verhindern.

Klinische Bedeutung
Bisher gab es keine Parameter, um vorauszusagen, bei welchen Patienten Biologika vermutlich rasch zu einer Remission führen werden und bei welchen nicht. Genanalysen von drei Genorten ermöglichen es, Patienten mit größeren Ansprechwahrscheinlichkeiten für eine Behandlung mit Biologika auszuwählen. Der Test wird daher von den Studienautoren empfohlen. Er könne eine nicht erfolgversprechende Anwendung von Biologika vermeiden und damit Kosten sparen helfen. Zugleich werde die Behandlung für jene Patienten effektiver, die in der wichtigen Frühphase der Erkrankung auf MTX allein voraussichtlich nicht ausreichend ansprechen.

Finanzierung: keine Angaben