Rezept gegen Stürze bei Älteren: Zwei bis drei Trainings pro Woche für mindestens ein Jahr


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Langfristige multimodale Übungsprogramme für Ältere führen laut einer Meta-Analyse von 40 Studien zu einer signifikanten Reduktion des Risikos für Stürze mit und ohne Verletzungen.

Hintergrund

Zahlreiche Studien belegen den positiven Effekt eines kurzfristigen Trainings auf Stürze, Brüche und Klinikeinweisungen bei älteren Menschen. Dagegen seien die Effekte körperlicher Übungen über längere Zeit noch nicht bekannt, schreiben die Autoren. Außerdem gab es in der "Lifestyle Interventions
and Independence for Elders"-Studie (statistisch nicht signifikante) Hinweise auf eine möglicherweise geringfügig erhöhte Hospitalisierungsrate und Mortalität, denen die Autoren in der aktuellen Studie nachgegangen sind.

Design

Systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse zur Assoziation eines mindestens einjährigen Trainings mit dem Sturzrisiko, Verletzungen durch Stürze, multiplen Stürzen, Brüchen, Klinikeinweisungen und der Mortalität bei Menschen ab 60 Jahren.

Hauptergebnisse

  • Ausgewertet wurden 5 Literaturdatenbanken, eingeschlossen in der Meta-Analyse wurden 40 randomisierte klinische Studien mit 21.868 Teilnehmern mit einem Altersdurchschnitt von 73,1 Jahren und einem Frauenanteil von 66,3 %.
  • Die häufigsten Trainings waren multimodal mit Aerobic, Kraft- und Balanceübungen, wurden im Durchschnitt 3 Mal / Woche abgehalten, und dauerten 50 Minuten pro Sitzung bei moderater Intensität.
  • Im Vergleich zu den häufig aktiven Kontrollgruppen in den Studien reduzierten die Übungen vor allem das Risiko für Stürze ohne und mit Verletzungen (Chancenverhältnis RR 0,88 bzw. 0,74).
  • Das Risiko für Brüche war ebenfalls reduziert (RR 0,84), mit einem 95%-Konfidenzintervall von 0,71 – 1,00 war dieses Ergebnis jedoch nicht mehr signifikant (p=0,05).
  • Keinen signifikanten Nutzen hatte das Training bezüglich der Vermeidung multipler Stürze, Klinikeinweisungen und Mortalität.

Klinische Bedeutung

Das Ergebnis der Studie ist wenig überraschend, denn es gibt keinen plausiblen Grund, warum ein längerfristiges Fitnessprogramm bei älteren Menschen nicht ebenso nützlich sein sollte wie kürzere Interventionen. Zusätzliche Erkenntnisse aus der vorgelegten Meta-Analyse sind, dass auch Menschen mit kardiovaskulären und neurologischen Erkrankungen von längerfristigen Übungen profitieren. Die optimale Übungs-Häufigkeit zur Reduktion von Mortalität und Stürzen wurde für alle Älteren durch eine zusätzliche Meta-Regressionsanalyse bestimmt und soll bei 2 – 3 Mal / Woche liegen.

Finanzierung: Keine Angaben.