Retrospektive Studie findet Hinweise auf Wirksamkeit von Rituximab gegen progrediente MS


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Behinderung von Patienten mit sekundär progredienter Multipler Sklerose (SPMS), die Rituximab Off-label erhalten haben, war nach einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 3,5 Jahren weniger stark fortgeschritten, als in einer Vergleichsgruppe.

Hintergrund

Die therapeutischen Optionen bei der SPMS sind sehr begrenzt. Da B-Zellen vermutlich bei der Pathogenese involviert sind, schien deren Depletion mithilfe des monoklonalen Anti-CD20-Antikörpers Rituximab als mögliche Option, zumal Studien der Phase 2 bei der schubförmigen und bei der primär progredienten MS die klinische Aktivität von Rituximab belegten. Außerdem hatte kürzlich auch ein weiterer Anti-CD20-Antikörper (Ocrelizumab) das Fortschreiten der Behinderung bei der SPMS gegenüber Placebo verlangsamen können.

Design

Retrospektive Auswertung des Krankheitsverlaufs von 44 Patienten mit SPMS, die in den MS-Zentren von Basel und Lugano off-label Rituximab erhalten hatten. Ihr Durchschnittsalter betrug anfänglich 49,7 Jahre, die Krankheitsdauer im Mittel 18,2 Jahre, und der mittlere EDSS-Score 5,9. Ihnen wurden zum Vergleich 44 weitere Patienten gegenübergestellt, die mithilfe der statistischen Methode des Propensity Score matching anhand möglichst ähnlicher Eigenschaften aus einer größeren Zahl von Patienten mit SPMS ausgewählt wurden, die kein Rituximab erhalten hatten. Alle Patienten erhielten mindestens einmal jährlich eine vollständige klinische und neurologische Untersuchung. Primäres Studienziel war die Krankheitsprogression, die jährlich anhand der Expanded Disability Status Scale (EDSS) bestimmt wurde. Zweites Studienziel war, die Zeit bis zur bestätigten Krankheitsprogression zu ermitteln.

Hauptergebnisse

  • Patienten unter Rituximab hatten während einer mittleren Nachverfolgungszeit von 3,5 Jahren einen um 0,52 Punkte niedrigeren EDSS-Score. Dieser Unterschied war bei einem 95%-Konfidenzintervall von -0,79 bis – 0,26 signifikant (P
  • Die Zeit bis zur bestätigten Krankheitsprogression war unter Rituximab signifikant verlängert. Das Chancenverhältnis HR betrug 0,49, das 95%-KI 0,26 – 0,93 (P=0,03).

Klinische Bedeutung

Die Depletion der B-Zellen mithilfe von Rituximab scheint in dieser retrospektiven Studie einen klinischen Nutzen für die Patienten gebracht zu haben. Daten aus der Bildgebung (MRI) gibt es allerdings nur für einen Teil der Patienten, und sie wurden hier nicht verwertet. Die Autoren merken an, dass es eine prospektive randomisierte Studie mit einer höheren Evidenz bräuchte, um die Wirksamkeit des Präparates zu bestätigen.

Finanzierung: Keine Angaben.