Retrospektive Fallstudie: COVID-19 bei 33 HIV-Patienten


  • Dr. Stefanie Reinberger
  • Aktuelles im Fokus
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Kernaussagen

  • Von 33 HIV-Patienten mit COVID-19 Erkrankung hatten 25 einen milden Verlauf.
  • 3 Patienten erlagen ihrer COVID-19 Erkrankung, wobei es sich bei zwei Betoffenen um Patienten aus Risikogruppen handelte.
  • Die Ergebnisse legen kein erhöhtes Risiko für einen schweren/tödlchen Verlauf einer SARS-CoV-2-Infektion bei HIV-Positiven nahe

Nach aktuellem Stand gibt es keine Hinweise darauf, dass HIV-Positive – zumindest unter konsequenter und erfolgreicher ART – ein erhöhtes Risiko für Infektionen mit SARS-CoV-2 haben oder für einen schweren Verlauf einer COVID-19-Erkrankung haben. Diese Ansicht vertreten auch einige europäische Fachgesellschaften. Noch gibt es allerdings relativ wenige Daten von HIV-positiven mit einer SARS-CoV-2-Koninfektion.

33 HIV-Patienten mit bestätigter SARS-CoV-2-Infektion analysiert

Vor diesem Hintergrund wurden in einer retrospektiven Studie Daten von 33 HIV-Patienten mit bestätigter SARS-CoV-2-Infektion ausgewertet. Die Fälle wurden zwischen 11. März und 17. April 2020 in 12 deutschen HIV-Zentren erfasst. Zu allen Patienten wurden anonymisierte Daten zu Alter, Geschlecht, Immunstatus HI-Viruslast und ART gesammelt.

  • Alle Patienten standen unter ART.

  • Von den 33 Patienten sind 91% von der COVID-19-Erkrankung genesen.

  • 25 (76%) der 33 Studienteilnehmer hatten einen milden Krankheitsverlauf, 2 (6%) wurden als schwere, 8 (18%) als kritische Fälle eingestuft.

  • 14 (42%) der 33 Patienten wurden ins Krankenhaus aufgenommen

  • 6 der (42%) der im Krankenhaus behandelten Patienten mussten intensivmedizinisch versorgt werden. Einer dieser Patienten war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht aus dem Krankenhaus entlassen, war jedoch nicht mehr auf der Intensivstation.

  • 3 (9%) der 32 Patienten mit dokumentiertem Behandlungsergebnis sind gestorben. Bei den Verstorbenen handelt es sich um

    • einen 82 Jährigen Mann mit nachweisbarer Viruslast (920 Kopien/ml)
    • einen Patienten mit niedrigem CD4-Zellzahl (69 Zellen/mm3) und sehr niedriger CD4/CD8-Ratio (0,06),
    • sowie einen Patienten mit mehreren Vorerkrankungen, wie Bluthochdruck, Diabetes Mellitus Typ 2 sowie einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung.

Klinische Bedeutung

Zwar ist die Sterblichkeit in der Probandengruppe mit 9% höher als in der Allgemeinbevölkerung, doch handelt es sich bei zwei der Verstorbenen um Personen im höheren Alter beziehungsweise mit Vorerkrankungen, die nicht im Zusammenhang mit der HIV-Infektion stehen. Daher bestätigt die Studie die bisherige Annahme, dass HIV-Positive kein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer COVID-19 Infektion haben. Es werden jedoch größere Studien benötigt, um eine detailliertere Aussage zum Einfluss der HIV-Infektion auf den Krankheitsverlauf zu machen. Einer Hypothese zufolge könnte eine bestehende HIV-Infektion paradoxerweise sogar einen protektiven Einfluss haben: Die beeinträchtigte Immunantwort der Patienten könnte möglicherweise die dysregulierte Zytokinantwort verhindern, die für schwere COVID-19-Verläufe mitverantwortlich gemacht wird.

Limitierungen

  • Retrospektive Analyse mit kleiner Probandengruppe
  • Es wurden keine asymptomatischen Fälle erfasst