Reproduktionshormon Kisspeptin modifiziert das Gehirn bei sexueller Unlust

  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Die einmalige intravenöse Gabe des Hormons Kisspeptin führt zu spezifischen Veränderungen im Gehirn prämenopausaler Frauen. Diese Veränderungen korrelieren mit psychometrischen Parametern, die auf eine gesteigerte Reaktion gegenüber erotischen Reizen und eine attraktivere Bewertung männlicher Gesichter hindeuten.

Hintergrund

Hypoactive Sexual Desire Disorder (HSDD), oder kurz „sexuelle Unlust“ ist nach Angaben der Autoren der aktuellen Studie die häufigste Beschwerde von Frauen aus dem Bereich der sexuellen Gesundheit. Die Behandlungsoptionen seien aber sowohl bezüglich der Sicherheit als auch der Wirksamkeit begrenzt. Nun hofft man auf das Hormon Kisspeptin, das als Aktivator der hormonellen Reproduktionsachse eine Schlüsselrolle spielt.

Design

Randomisierte, doppel-blinde, placebo-kontrolliert klinische Studie an einer britischen Universität. Teilgenommen haben 40 Frauen, von denen 32 die Studie wie geplant beendeten und jeweils eine 75-minütige Infusion von Kisspeptin-44 (1 nmol/kg/h) bzw. Placebo erhielten. Ziel der Untersuchung war es, durch funktionale neuronale Bildgebung psychometrische sowie hormonelle Analysen den Effekt von Kisspeptin auf die Reaktion gegenüber erotischen Stimuli (Videos) und mehr oder weniger attraktive Gesichter zu messen.

Ergebnisse

  • Kisspeptin führte zu einer Modulation von Hirnprozessen bei der Verarbeitung der Videos und Gesichter:
    • Deaktivierung des linken inferioren frontalen Gyrus (Z max. 3,76; P = 0,01),
    • Aktivierung des rechten postzentralen und supramarginalen Gyrus ( Z max. 3,73; P < 0,001),
    • Deaktivierung am rechten temporoparietalen Übergang (Z max. 4,08; P = 0,02).
  • Ebenfalls beobachtet wurde ein positive Korrelation zwischen einer, unter Kisspeptin verstärkten Aktivität des Hippocampus als Reaktion auf erotische Videos und der Ausgangs-Stressbelastung in Bezug zur sexuellen Funktion (r = 0.469; P = 0,007).
  • Die Verstärkung der Aktivität des posterioren Cingulus unter Kisspeptin als Reaktion auf attraktive männliche Gesichter korrelierte außerdem mit reduzierter sexueller Aversion (r = 0.476; P = 0,005).
  • Kisspeptin wurde gut vertragen, Nebenwirkungen wurden nicht berichtet.

Klinische Bedeutung

Das Hormon Kisspeptin führt zu Veränderungen der Hirnaktivität, die sich als verringerte sexuelle Unlust deuten lassen. Inwiefern diese Substanz tatsächlich zu einem erfüllteren Sexuelleben führt, wurde allerdings nicht geprüft.

Finanzierung: National Institute for Health Research Clinical Research Facility (NIHR CRF) und Biomedical Research Centre (BRC) am Imperial College London.