Remdesivir-Studie publiziert: COVID-19-Patienten mit Sauerstoffbedarf profitieren

  • New England Journal of Medicine

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Das Nukleotidanalogon Remdesivir kann bei COVID-19-Patienten offenbar die Genesung beschleunigen. Dies lassen erste Ergebnisse einer kontrollierten US-Studie vermuten, die kürzlich schon auf einer Pressekonferenz vorgestellt wurden. Die Studie ist nun im „New England Journal of Medicine“  erschienen.

Hintergrund

Seit wenigen Monaten suchen Wissenschaftler fast fieberhaft nach Wirkstoffen, die den Krankheitsverlauf von Patienten mit COVID-19 positiv beeinflussen. Zu den Substanzen, die als besonders vielversprechend eingestuft werden, zählt Remdesivir; zu diesem Wirkstoff wurden kürzlich erste Daten einer noch laufenden und zu diesem Zeitpunkt nicht publizierten Studie (ACCT: Adaptive COVID-19 Treatment Trial) bei einer Pressekonferenz von dem US-Virologen Anthony Fauci (Direktor des National Institute of Allergy and Infectious Diseases) vorgestellt. Insbesondere aufgrund der vorläufigen Daten dieser kontrollierten US-Studie hat die US-Arzneimittelbehörde (FDA) Anfang Mai eine Sondergenehmigung  für die Anwendung von Remdesivir bei hospitalisierten COVID-19-Patienten erteilt. Wenige Tage später hat dann die Europäische Arzneimittel-Agentur  empfohlen, den Einsatz von Remdesivir im Rahmen eines „Compassionate-Use-Programms“ auf die Behandlung von COVID-19-Patienten zu erweitern, die nicht invasiv-maschinell beatmet werden. 

Design

Ausgewertet wurden die Daten von 1063 COVID-19-Patienten; das Durchschnittsalter betrug knapp 59 Jahre, fast zwei Drittel waren Männer, rund 20 Prozent Afro-Amerikaner. Nur etwa jeder fünfte Patient hatte keine Vorerkrankung wie Bluthochdruck oder Diabetes mellitus. Mehr als jeder zweite Patient (52%) hatte zwei oder mehr Vorerkrankungen. Die Zeit von Symptombeginn bis Randomisierung betrug im Median neun Tage. Die Patienten erhielten zehn Tage lang entweder Remdesivir oder ein Placebo. 

Hauptergebnisse

  • Patienten, die Remdesivir erhielten, benötigten im Median 11 Tage bis zur Genesung (Entlassung aus dem Krankenhaus), Patienten mit Placebo hingegen 15 Tage. Das errechnete Raten-Verhältnis (RR: risk ratio) für Genesung betrug 1,32 (1,12 - 1,55). Dieses Ergebnis war statistisch signifikant (p
  • Von der Remdesivir-Therapie profitierten insbesondere Patienten, die Sauerstoff benötigten. Hier betrug das Raten-Verhältnis für Genesung 1,47 (1,17 - 1,84).
  • Patienten hingegen, die maschinell beatmet wurden oder eine ECMO erhalten, profitierten nicht von Remdesivir (RR: 0,95; 0,64 - 1,42).
  • Nicht signifikant war zudem das Resultat bei der Mortalität: Sie betrug in der Remdesivir-Gruppe 8,0 Prozent, in der Kontroll- Gruppe 11,6 Prozent (p=0,059). 
  • Ernste unerwünschte Wirkungen traten bei 21,1 Prozent der Patienten mit Remdesivir auf und bei 27,0 Prozent der Patienten in der Placebo-Gruppe. Je zwei Ereignisse pro Gruppe wurden von den Studienautoren als therapie-bedingt eingestuft. Ein schweres Atemversagen hatten  5,2 Prozent der Patienten mit dem Prüf-Präparat; in der Kontroll-Gruppe betrug dieser Anteil 8,0 Prozent.

Klinische Bedeutung

Diese vorläufigen Ergebnisse unterstützen den Autoren zufolge die Anwendung von Remdesivir bei COVID-19-Patienten, die ins Krankenhaus eingeliefert werden und eine zusätzliche Sauerstofftherapie benötigen. Angesichts der hohen Mortalität trotz der Therapie mit Remdesivir sei jedoch klar, dass die Behandlung mit einem antiviralen Medikament allein wahrscheinlich nicht ausreiche. Zukünftige Strategien sollten daher antivirale Wirkstoffe in Kombination mit anderen therapeutischen Ansätzen oder Kombinationen von antiviralen Wirkstoffen prüfen.

Finanzierung: National Institute of Allergy and Infectious Diseases und andere