Rektumkarzinom: Vorsicht bei TNT?

  • Shi DD & al.
  • J Clin Oncol
  • 14.10.2020

  • von Jim Kling
  • Studien – kurz & knapp
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Erkenntnis

  • Wenn beim Rektumkarzinom eine totale neoadjuvante Therapie (TNT) eingesetzt wird, schlägt der Leitartikel ein Konzept vor, bei dem die Bestrahlung zuerst erfolgt.

Warum das wichtig ist

  • TNT hat an Popularität gewonnen, wurde bisher aber nicht direkt mit einer standardisierten Therapie verglichen.

Wesentliche Punkte

  • TNT hat mehrere theoretische Vorteile gegenüber der Standardtherapie, wie z.B. die Maximierung der neoadjuvanten Therapie, um eine R0-Resektion zu erreichen, den früheren Einsatz einer systemischen Therapie, um einer Mikrometastasierung entgegenzuwirken, und die Bereitstellung einer Option für ein nicht-chirurgisches, wachsames Abwarten.
  • In keiner Studie wurden TNT-Ergebnisse mit der Standardsequenzierung verglichen. Dieser Mangel an Daten ist besorgniserregend, insbesondere weil TNT auf einer genauen klinischen Einteilung beruht. Ein ungenaues Staging könnte zu einer Überbehandlung führen.
  • Der routinemäßige TNT-Einsatz erfordert die Identifizierung von optimalen Kandidaten, den Nachweis eines Überlebensvorteils gegenüber derzeitigen Behandlungsstandards und eine optimale neoadjuvante Therapiesequenz.
  • Die Autoren argumentieren, dass bei Verwendung von TNT eine Sequenz "Bestrahlung zuerst" bevorzugt wird, was dem häufig verwendeten Ansatz "Chemotherapie zuerst" entgegensteht.
  • Studien, in denen die Induktions-Chemotherapie mit anschließender Bestrahlung mit alleiniger Radiochemotherapie verglichen wurde, haben bei mehreren Tumorarten keinen OS-Vorteil gezeigt.
  • Studien haben außer bei fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumoren keinen Vorteil hinsichtlich Fernmetastasierung im Zusammenhang mit einer Induktionschemotherapie gezeigt.
  • Eine Induktionschemotherapie erhöht die Häufigkeit von chemotherapiebedingter Toxizität.
  • Einige aktuelle Studien mit Response-basierten Behandlungsstrategien könnten Kandidaten für TNT identifizieren und so eine Überbehandlung vermeiden.