Reinigungsmittel schaden der Lungenfunktion vergleichbar wie Nikotin


  • Susanne Kressenstein
  • Medizinische Nachrichten

Egal ob privat oder beruflich, der regelmäßige Kontakt mit den Chemikalien in Putzmitteln schadet der Lunge nachhaltig. Eine Studie aus Norwegen bescheinigt den Saubermachern jetzt ähnlich schädigende Wirkung auf die Lungenfunktion wie fünf bis zehn Packungsjahre Nikotin, also beispielsweise fünf bis zehn Jahre lang zwei Päckchen Zigaretten pro Tag.

Ausgewertet wurden dazu die Ergebnisse des European Community Respiratory Health Survey, der über zwanzig Jahre lief. Teilnehmer waren mehr als 6.200 Männer und Frauen, die zu Beginn des Beobachtungszeitraums im Durchschnitt 34 Jahre alt waren. 44 Prozent waren lebenslange Nichtraucher, die Zahl der Packungsjahre der Raucher lag zu Beginn der Umfrage bei sieben. Von den rund 3.300 teilnehmenden Frauen gaben 85 Prozent an, regelmäßig mindestens einmal pro Woche ihre eigenen vier Wänden zu putzen, bei den Männern lag dieser Anteil bei 46 Prozent.

Bei Frauen, die nicht selber putzen, sanken die Einsekundenkapazität (FEV1) und die forcierte Vitalkapazität (FVC) über den Beobachtungszeitraum um 18,5 bzw. 8,8 ml pro Jahr. Bei Frauen, die ihre privaten Räume saubermachen und deswegen regelmäßig Kontakt mit Reinigungssprays und anderen Putzmitteln hatten, sank die FEV1 um 22,1 und die FVC um 13,1 ml im Jahr. Erwartungsgemäß waren die Lungen von Frauen, die als Reinigungskraft arbeiten, am stärksten in Mitleidenschaft gezogen. Ihre FEV1 und FVC ging jährlich um durchschnittliche 22,4 und 15,9 ml zurück.

Die Exposition mit Reinigungsmitteln verursacht offensichtlich im Laufe der Zeit, anhaltende Veränderungen in den Atemwegen. Quartäre Ammoniumverbindungen beispielsweise reichern sich in Zellmembranen an und können so die Funktion der Zellmembran beeinträchtigen.

Eigenartigerweise galten diese Veränderungen der Lungenfunktion nicht für Männer, obwohl knapp jeder zweite angegeben hatte, regelmäßig sauber zu machen. Die Frage, ob Männer einfach robustere Lungen haben - was durchaus vorstellbar ist, wie man bei Rauchern sieht - oder Küchen und Toiletten doch nicht so oft saubermachen wie angegeben, muss ungeklärt bleiben.