Reichen 3 Monate für die adjuvante Chemotherapie beim fortgeschritten kolorektalen Karzinom?


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Die IDEA-Kollaboration hat sechs randomisierte Studien zur adjuvanten Chemotherapie mit Oxaliplatin beim fortgeschrittenen Darmkrebs analysiert. Bezüglich des krankheitsfreien Überlebens waren drei Monate beim CAPOX-Schema nicht schlechter als sechs Monate, wogegen sich für Patienten mit höherem Risiko ein kleiner Vorteil für die längeren Therapieregime abzeichnete.

Hintergrund

Für die adjuvante Chemotherapie bei Patienten mit einem R0 resezierten Kolonkarzinom im UICC-Stadium 3 gibt es einen breiten Konsens, sie wird unter anderem in der aktuellen Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) empfohlen (Evidenzlevel 1a, Empfehlungsrad A). Oxaliplatin-haltige Regime von sechs Monaten Dauer werden für Patienten bis 70 Jahre empfohlen. Da dieser Wirkstoff jedoch eine kumulative Neurotoxizität mit sich bringt wäre es wünschenswert, die Dauer der Therapie ohne Einbußen bei der Wirksamkeit zu verkürzen.

Design

Prospektive, präspezifizierte, gepoolte Analyse von 6 randomisierten Phase 3-Studien mit dem Ziel, die Nichtunterlegenheit einer dreimonatigen Gabe von Fluorouracil, Leucovorin und Oxaliplatin (FOLFOX) bzw. Capecitabin und Oxaliplatin (CAPOX) gegenüber sechs Monaten zu prüfen. Der primäre Endpunkt war das krankheitsfreie Überleben nach 3 Jahren.

Hauptergebnisse

Für die gesamte Studienpopulation von 12834 Patienten mit 3263 Ereignissen konnte die Nichtunterlegenheit der verkürzten Therapie mit Oxaliplatin nicht bestätigt werden. Dafür hätte die vorab definierte Schwelle für den oberen Wert des 95%-Konfidenzintervalls der Hazard Ratio den Wert von 1,12 nicht überschreiten dürfen; tatsächlich errechnet wurde jedoch ein HR von 1,07 mit einem 95% CI von 1,00 – 1,15.

Bei der getrennten Analyse der beiden Therapieschemata wurde jedoch die Nichtunterlegenheit von CAPOX mit einem HR von 0,95 bei einem 95% CI von 0,85 – 1,06 erreicht. Für FOLFOX wurde dieses Ziel verfehlt. Die HR betrug 1,16, das 95% CI 1,06 – 1,26.

Bei einer weiteren Nichtunterlegenheitsanalyse wurden die Patienten der gesamten Studienpopulation in solche mit geringerem Risiko (T1, T2 oder T3 und N1) und höherem Risiko (T4, N2 oder beides) unterschieden und der Effekt einer dreimonatigen gegenüber einer sechsmonatigen Therapie verglichen. Für die erste Gruppe erwies sich die verkürzte Therapie dabei als ebenso gut (HR 1,01, 95% CI 0,90 – 1,12), das krankheitsfreie Überleben lag bei 83,1 % gegenüber 83,3 %. Für die Patienten mit höherem Risiko war die längere Therapie besser, die Zahlen für das krankheitsfreie Überleben lauteten 64,4 % vs. 62,7 %, und die HR betrug 1,12 bei einem 50% CI von 1,03 bis 1,23 (P=0,01).

Klinische Bedeutung

Die Zusammenarbeit zahlreicher Onkologen und anderer Spezialisten in der International Duration Evaluation of Adjuvant Therapy (IDEA) hat sich ausgezahlt. Ihrem unabhängigen Datenzentrum ist es ohne kommerzielle Unterstützung gelungen, kleine, aber bedeutsame Unterschiede bei den aktuellen diskutierten Therapieschemata aufzuzeigen. Beispielsweise war die Inzidenz klinisch signifikanter peripherer Neuropathien in der sechsmonatigen Therapie 45 % gegenüber 15 % im halb so langen Regime. Auch der Nachweis eines vergleichsweise geringen Gewinns beim krankheitsfreien Überleben durch die längere Therapie verbessert die Entscheidungsgrundlage und wird sicher in die Beratung von Patienten mit fortgeschrittenem Darmkrebs einfließen.

Finanzierung: National Cancer Institute, Institut National du Cancer u.v.a. öffentliche Förderer.