Regionale Versorgungsengpässe bei Grippeimpfstoffen: Sondergenehmigung ermöglicht Umverteilung


  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Damit die Bundesländer auf die derzeitigen Lieferengpässe von Grippeimpfstoffen reagieren können, hat das Bundesgesundheitsministerium (BMG) am vergangenen Freitag offiziell den Versorgungsmangel erklärt. Eine Sondergenehmigung ermöglicht es, von nun an Influenza-Vakzine bundesweit besser zu verteilen und Impfstoffe aus dem EU-Ausland zu beziehen.

Hintergrund

Noch bevor die Grippesaison richtig begonnen hat, sind in zahlreichen Apotheken und Arztpraxen Deutschlands die Impfstoffvorräte knapp geworden. Thüringen, Sachsen, das Saarland, Bremen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Hessen haben bislang Engpässe gemeldet. Insbesondere pädiatrische Praxen leiden unter einem Mangel an Influenza-Impfstoffen und warten auf geeigneten Nachschub. Nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) wurden bislang 15,7 Millionen Dosen Grippeimpfstoff freigegeben, eine Million mehr als im vergangenen Jahr.

Trotz der zahlreichen Meldungen über einen Grippeimpfstoff-Mangel geht das PEI nicht von einem „generellen Versorgungsengpass aus“, heißt es in einer Mitteilung des Instituts. Vielmehr sei für die Knappheit eine ungleiche Verteilung innerhalb Deutschlands verantwortlich. Um entsprechende Maßnahmen für eine bessere Verteilung und Versorgung zu ermöglichen, hat das BMG vergangenen Freitag im Bundesgesetzblatt offiziell einen Versorgungsengpass mit Grippeimpfstoffen bekanntgegeben. Dieses Vorgehen ermöglicht § 79 Absatz 5 des Arzneimittelgesetzes. Voraussetzung für die „Ausnahmeermächtigung in Krisenzeiten“ ist, dass ein „Versorgungsmangel der Bevölkerung“ vorliegt.

Klinische Bedeutung

Aufgrund der Sondergenehmigung können von nun an die zuständigen Landesbehörden in Einzelfällen von den Vorgaben des Arzneimittelgesetzes abweichen und etwa erlauben, dass sich Apotheken oder Arztpraxen untereinander mit Grippeimpfstoff versorgen. Außerdem sind sie befugt, Herstellern im Einzelfall zu erlauben, zusätzliche Grippeimpfstoffdosen aus anderen Ländern der Europäischen Union auf dem deutschen Markt anzubieten.

Um die Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Grippeimpfstoff sicherzustellen, wurde nach PEI-Angaben die Altersbeschränkung für den Grippeimpfstoff Influvac Tetra von 18 auf drei Jahre gesenkt. Daneben stehen für Kinder ab einem Alter von sechs Monaten Influsplit Tetra und Vaxigrip Tetra sowie für Kinder und Jugendliche im Alter von zwei bis einschließlich 17 Jahren der lebend attenuierte Grippeimpfstoff Fluenz Tetra zur Verfügung.