Refraktärer chronischer Husten: Neuer Wirkstoff weckt Hoffnungen


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Konferenzberichte by Medscape
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Gefapixant, ein Antagonist des P2RX3-Rezeptors, verringert die Hustenhäufigkeit bei Patienten mit refraktärem oder unerklärlichem Husten über 24 Stunden signifikant, wie Ergebnisse aus 2 parallelen klinischen Phase-3-Studien zeigen. Die Ergebnisse wurden jetzt auf dem European Respiratory Society (ERS) International Congress 2020 vorgestellt.

„Hier handelt es sich um die allerersten Phase-3-Studien auf diesem Gebiet“, sagte Prof. Dr. Lorcan McGarvey von der Queen's University in Belfast. Derzeit gebe es keine Behandlung für die Krankheit, unter der fast 10% aller Menschen weltweit leiden. Im Falle einer Zulassung wäre der P2X3-Rezeptoragonist das 1. neue Medikament gegen Husten seit mehr als 50 Jahren, sagte McGarvey zu Medscape. 

Beide Studien erreichen Endpunkte

Die Verringerung des Hustens über 24 Stunden hinweg war statistisch signifikant, wenn Patienten 2-mal täglich 45 mg Gefapixant erhielten. Das geht 2 parallelen, doppelblinden Phase-3-Studien hervor, der 12-wöchigen Studie COUGH-1 und der 24-wöchigen Studie COUGH-2.

Alle 2044 Studienteilnehmer, 730 in COUGH-1 und 1.314 in COUGH-2, waren Erwachsene, die aus 150 Zentren in 17 Ländern rekrutiert worden waren. Forscher ordneten sie randomisiert einer von 3 Gruppen zu: Gefapixant 45 mg oder 15 mg 2-mal täglich oder Placebo. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer betrug 58 Jahre, 75% waren Frauen, 80% waren Weiße. Die durchschnittliche Hustendauer betrug 11 Jahre. Husten wurde mit einem ambulanten Monitor gemessen, der ein spezielles Aufzeichnungsgerät hatte.

Zu Studienbeginn betrug der Schweregrad des Hustens mindestens 40 mm auf einer visuellen Analogskala von 100 mm. Während der 12-wöchigen Studie verringerte sich die Hustenfrequenz über 24 Stunden mit 45 mg Gefapixant im Vergleich zu Placebo um 18,45% (95% KI -32,92 bis -0,86; p=0,041); in der 24-wöchigen Studie waren es 14,64% (95% KI -26,07 bis -1,43; p=0,031).

Bei der 15-mg-Dosis gab es keinen statistisch signifikanten Effekt. Obwohl man eine Placebo-Reaktion erwartet habe, sei die Größe der Reaktion (53% bis 57% in beiden Studien) „größer als erwartet“, sagte McGarvey.

Patienten akzeptieren Geschmacksstörungen

Rund 58% der Teilnehmer bei COUGH-1 und 69% bei COUGH-2 gaben Geschmacksstörungen zu Protokoll. Berichte über einen metallischen oder kreidigen Geschmack waren in der 45-mg-Gruppe häufiger als in der 15-mg-Gruppe. Viele dieser Patienten litten jedoch zu stark an chronischem Husten, so dass sie dies akzeptierten. Die Effekte traten wenig überraschend auf; bereits in früheren Studien fand man Hinweise darauf. Geschmacksstörungen wurden auch bei 3% bis 8% der Teilnehmer in den Placebogruppen beobachtet.

Gefapixant ersetzt keine gründliche Anamnese

„Das ist spannend“, sagte Dr. Panagis Galiatsatos von der Johns Hopkins Medicine in Baltimore und stellte fest, dass Gefapixant eine Option für Patienten mit chronischem Husten und ohne Diagnose bieten könnte. Er befürchtet jedoch, Ärzte könnten nach einer Zulassung des Arzneimittels direkt zu dieser Option greifen, anstatt sich Zeit für eine gründliche Anamnese zu nehmen und dann eine Diagnose zu stellen. Es brauche Zeit, um Ursachen wie Reflux oder das Postnasal-Drip-Syndrom (eine Überproduktion von Schleim der Nasenschleimhaut bzw. der Nasennebenhöhlen) auszuschließen, sagte er.

„Sie brauchen eine gute und gründliche Untersuchung, warum der Husten da ist“, sagte er gegenüber Medscape. „Angenommen, Sie kommen eher früher als später zu diesem Medikament. Vielleicht übersehen Sie, dass es die ganze Zeit über Reflux war.“ Unbehandelt könne dann daraus ein Ösophaguskarzinom werden. Dennoch sei Gefapixant als Behandlung vielversprechend, wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft worden seien, sagte Galiatsatos.

Dieser Artikel wurde von Michael van den Heuvel aus www.medscape.com für medscape.de übersetzt und adaptiert.

 

 

 

 

 

 

https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4909287