Reflux-Patienten:verbesserte Therapiezufriedenheit durch PPI plus Alginat


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

GERD-Patienten, die PPI erhalten und Durchbruchsymptome haben, können einer unkontrollierten Studie zufolge womöglich von einer Reflux-Blockade mit einem Alginat als Add-on profitieren. Die zusätzliche Einnahme eines Alginats vor dem Schlafengehen verbessert auch die Schlafqualität von GERD-Patienten mit PPI-Dauertherapie.

Hintergrund

Patienten mit chronischer Reflux-Krankheit und Langzeit-PPI-Therapie haben häufig persistierende Symptome. Forschungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass die Acid-Pocket, eine physiologische, unmittelbar postprandial auftretende Säureansammlung unterhalb der Cardia, bei Patienten mit defekter Anti-Reflux-Barriere Ursache für insbesondere postprandial auftretende Reflux-Symptome sein kann. Diese Acid-Pocket lässt sich durch eine konventionelle PPI-Therapie nicht eliminieren. Eine Option ist die zusätzliche Behandlung mit Alginaten. In der vorliegenden Studie wurde geprüft, ob eine Alginat-Add-on-Therapie bei klinischem Bedarf die Zufriedenheit der Patienten mit ihrer GERD-Behandlung verbessert kann. 

Design

Prospektive, multizentrische, nicht-randomisierte und unkontrollierte Studie in hausärztlichen Praxen mit Reflux-Patienten mit einer PPI-Dauertherapie über ≥ 1 Jahr, die mit ihrer Behandlung unzufrieden waren. Die Patienten wurden über 14 Tage mit einem Alginat nach Bedarf (bis zu 4 ×/Tag) behandelt. Erfasst wurde die Frequenz der Symptome in der Woche vor der Therapie und in der zweiten Behandlungswoche, zusätzlich der validierte GERD-Q-Score. Die Patienten gaben ihre Zufriedenheit mit der Therapie vor Beginn und am Ende der Studienperiode auf einer 5-Punkt-Likert-Skala an (1: sehr unzufrieden; 5: zufrieden). Primärer Endpunkt der Studie war die Verbesserung der Zufriedenheit um ≥ 1 Punkt.

155 Patienten (54 % Frauen, medianes Alter 57 Jahre (18 – 85 Jahre) wurden rekrutiert. Sechs Patienten wurden von der Wirksamkeitsanalyse ausgeschlossen, da sie entweder die Studienmedikation nicht genommen hatten oder nicht zur Abschlussvisite erschienen. Die mediane Krankheitsdauer lag bei 8 Jahren (Bereich 1 – 50 Jahre), die mediane Dauer der PPI-Langzeittherapie bei 6 Jahren. In der Studie nahmen die Patienten im Mittel 3 Sachets des Studienmedikaments pro Tag. 

Hauptergebnisse

  • Die Alginat-Therapie führte bei 72 % der Patienten zu einer Verbesserung der Therapiezufriedenheit um mindestens 1 Punkt (1 Punkt: n = 45, 2 Punkte: n = 41, 3 Punkte: n = 16, 4 Punkte: n = 5). 
  • Patienten mit einem GERD-Q-Score > 8 sprachen häufiger auf die Therapie an (81 %). 
  • Die Verbesserung umfasste alle typischen Reflux-Symptome und Schlafstörungen.
  • 27 Patienten beklagten unerwünschte Wirkungen der Alginat-Therapie. Dazu zählten schlechter Geschmack, Übelkeit, Obstipation, Diarrhoe, Oberbauchschmerzen, allergische Reaktion und Schwindel. 9 Patienten beendeten die Therapie vorzeitig wegen Übelkeit (4), Schwindel (1), vermuteter allergischer Reaktion (3), und Oberbauchschmerzen (1). Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse traten nicht auf. 

Klinische Bedeutung

Eine Reflux-Blockade mit einem Alginat als Add-on ist nach Angaben der Autoren eine wirksame und sichere Option zur Behandlung von Durchbruchsymptomen bei GERD-Patienten mit PPI-Therapie.

Eingeschränkt wird die Aussagekraft der Studie durch die mangelnde Randomisierung und das Fehlen einer Kontrollgruppe. Die Autoren verweisen allerdings auf 2 randomisierte, Placebo-kontrollierte Studien, die gezeigt hätten, „dass die 4-mal tägliche Einnahme eines Alginats zusätzlich zur unverändert fortgesetzten PPI-Therapie die Symptomkontrolle um 27 % bzw. 39 % verbessert, sodass bei 56 % bzw. 75 % der Patienten ein adäquater Response erzielt wurde“. Eingeschränkt wird die Aussagekraft möglicherweise auch durch bestehende Interessenkonflikte von zwei der vier Autoren. 

Finanzierung: Die Studie wurde aus Drittmitteln des Diakonie-Klinikums, Jung-Stilling- Krankenhaus Siegen finanziert. Die Firma Reckitt Benckiser stellte dem Klinikum einen Forschung-Grant zur Verfügung. Zwei Autoren gaben Interessenkonflikte an (Beratungs- und Vortragstätigkeit für den Alginat-Hersteller Reckitt Benckiser). Die beiden anderen Autoren gaben an, keine Interessenkonflikte zu haben.