Reduziertes Krebs-Risiko vielleicht noch ein Argument für die Adipositas-Chirurgie

  • ObesityWEEK 2019/Las Vegas

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Der Gewichtsverlust nach einer bariatrischen Operation senkt möglicherweise das bei Adipositas erhöhte Krebs-Risiko.

Hintergrund

In mehreren Studie wurde eine Zusammenhang zwischen Adipositas und erhöhtem Risiko für Krebserkrankungen festgestellt. Bariatrische Operationen senken nachweislich das Gewicht. Dies genügt aber nicht als Beleg dafür, dass sie auch vor Krebs schützen. Dieser Frage sind US-Wissenschaftler Dr. Andrea Stroud von der Oregon Health & Science University in Portland in einer Kohorten-Studie nachgegangen.

Design

Die Autoren analysierten Daten der „Longitudinal Assessment of Bariatric Surgery 2“-Kohorte. Die Studie umfasste 2353 Adipositas-Patienten (79 Prozent Frauen) aus mehreren US-Kliniken. Die Beobachtungszeit betrug sieben Jahre. Zum Zeitpunkt der Operation (Magenbypass und Magenband) war bei beiden Patienten keine Tumor-Erkrankung bekannt. Der präoperative BMI betrug 45 bis 50.

Hauptergebnisse

Das Körpergewicht sank im Laufe der sieben Jahre bei den Patienten mit dem Magen-Bypass um rund 28 Prozent, in der Gruppe mit dem Magenband um knapp 15 Prozent.

Ein postoperativer BMI von unter 30 war den Berechnungen zufolge mit einem um 41% verringerten Krebs-Risiko assoziiert (HR 0,59, 95% CI 0,34-1,00).

Für Patienten, die mehr als 20 bis 34,5 Prozent ihres Körpergewichts verloren hatten, ergaben die Berechnungen ein um 56 Prozent geringeres Krebs-Risiko als für Patienten mit einem Gewichtsverlust von weniger als 20 Prozent (HR =0,44, 95% CI  0,25–0,76).

Ein präoperativer BMI von mindestens ≥ 50 ging mit mehr Tumor-Neuerkrankungen einher als ein BMI von unter 40 (HR 1,40, 95%CI: 0,68-2,86). 

Der errechnete postoperative Rückgang des Krebs-Risikos war mit verminderten Werten beim Glukose-, Insulin-, Proinsulin- und Leptin-Spiegel assoziiert.

Klinische Bedeutung

Die Studie liefert einen Hinweis darauf, dass adipöse Patienten ihr erhöhtes Krebs-Risiko vielleicht mit einem operativen Eingriff senken können. Dies bestätigt auch eine zweite Studie, die bei dem Kongress präsentiert wurde. In dieser Studie waren Daten von rund 246000 operierten Adipositas-Patienten ausgewertet worden. In dieser Studie war insbesondere ein Vorteil für Frauen mit genetisch erhöhtem Brust-Krebs-Risiko festgestellt worden.

Obgleich es sich nur um Beobachtungsstudien handelte, liefern beide Studien weitere Argumente dafür, bei ausgeprägter Adipositas eine bariatrische Operation zu erwägen.

Finanzierung: keine Angaben