Reduktion der Schubrate bei Patienten mit Multipler Sklerose: Ozanimod übertrifft Interferon

  • Lancet Neurology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Mit dem selektiven Sphingosin 1 Rezeptor-Modulator Ozanimod konnte die Schubrate bei Patienten mit Multipler Sklerose in zwei Studien der Phase 3 stärker reduziert werden, als mit Interferon Beta 1a.

Hintergrund

In den vergangenen Jahren wurden mehrere neue Substanzklassen mit starker Wirkung gegen die schubförmige Form der Multiplen Sklerose entwickelt. Darunter befinden sich auch der vor etwa 10 Jahren zugelassene, orale, nichtselektive Sphingosin 1 Rezeptor-Modulator Fingolimod und das selektivere, in den USA bereits zugelassene Präparat Siponimod. In zwei separaten Studien wurde nun ein weiterer selektiver Vertreter – Ozanimod - auf Sicherheit und Wirksamkeit getestet.

Design

In der doppelblinden, Studie RADIANCE erhielten 1320 Studienteilnehmer zwischen 18 und 55 Jahren in 21 Ländern täglich 0,5 oder 1 mg Ozanimod oral oder wöchentlich 30 µg Interferon Beta 1a intramuskulär. Einschlusskriterium waren Hinweise auf einen Schub in den vergangenen 12 Monaten; der Grad der Behinderung nach EDSS lag zwischen 0,0 und 5,0. Ein ähnliches Design, aber nur 12 Monate Laufzeit hatte die Studie SUNBEAM mit 1346 Teilnehmern. Primärer Endpunkt war in beiden Studien die annualisierte Schubrate (ARR).

Ergebnisse

  • Adjustierte ARR in RADIANCE: 0,17 mit 1 mg Ozanimod, 0,22 mit 0,5 mg Ozanimod, und 0,28 mit Interferon.
  • Chancenverhältnis RR in RADIANCE im Vergleich zu Interferon: 0,62 für 1 mg Ozanimod (95%-Konfidenzintervall 0,51 – 0,77; p
  • Sehr ähnliche Werte ergaben sich in der SUNBEAM-Studie.
  • Nebenwirkungen, die zum Studienabbruch führten, traten unter Interferon häufiger auf; die Häufigkeit von Infektionen und schweren Nebenwirkungen nach der Behandlung waren in allen Gruppen ähnlich.
  • Transiente Bradykardien oder AV-Blocks, die als kurzfristige Risiken nach der Gabe von Fingolimod gelten, wurden nicht beobachtet. Lymphopenien, die ebenfalls im Zusammenhang mit anderen Sphingosin 1 Rezeptor-Modulatoren gesehen wurden, traten unter der hohen Dosierung in 4,2 % (RADIANCE) bzw. 2,5 % (SUNBEAM) der Patienten auf.

Klinische Bedeutung

Falls Ozanimod zugelassen wird, stellt sich Frage, wie das Präparat unter der Vielzahl anderer krankheitsmodifizierender Substanzen einzuordnen ist. Die Kommentatoren Ellen M Mowry (Baltimore) und John R Corboy (Aurora) meinen, dass sich dies anhand der wahrgenommenen Wirksamkeit gegenüber den Risiken entscheiden wird, dass die Kosten eine Rolle spielen werden, aber auch mögliche Auflagen, wie die bei Siponimod geforderte Beobachtungsplicht nach der ersten Dosis und die Genotypisierung auf CYP2C9 zum Ausschluss eines kontraindizierten Halotyps.

Finanzierung: Celgene International II.