Rechts- oder Linkshänder? Die Entscheidung fällt im Mutterleib


  • Susanne Kressenstein
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaft: Bereits in der 18. Schwangerschaftswoche kristallisiert sich bei Föten eine bevorzugte Hand für koordinierte Bewegungen heraus.

Hauptergebnisse: Wie eine aktuelle Studie zeigt, entscheidet sich bereits im Mutterleib, ob das Kind später mit der rechten oder linken Hand schreiben wird. Bereits gegen Ende der ersten Schwangerschaftshälfte in der 18. Woche scheinen Kinder entweder die rechte oder die linke Hand für koordinierte Bewegungen zu bevorzugen. Neun Jahre später kontrollierten die Autoren, ob die von ihnen notierte Händigkeit geblieben war. Je nachdem welche Parameter zu Hilfe gezogen wurde, stimmte die Prognose zu 90 bis 100 Prozent.

Design: Beobachtet wurden die Bewegungen von 29 Föten in der 14., der 18. und der 22. Schwangerschaftswoche mittels 4D-Ultraschall. Während der jeweils 20-minütigen Untersuchung wurde festgehalten, mit welcher Hand die ungeborenen Kinder Bewegungen zum Mund und zur Nase ausführten. Als Kontrolle dienten ungerichtete Bewegungen der Hände.

Klinische Bedeutung: Was entscheidet, ob wir Rechts- oder Linkshänder werden? Diese Frage ist derzeit noch nicht endgültig geklärt. Mit Sicherheit existiert eine genetische Veranlagung, im Jahr 2007 wurde eine Genvariante entdeckt, die wesentlich häufiger bei Linkshändern vorliegt.

Es scheinen aber auch andere Faktoren eine Rolle zu spielen, wie man aus der Zwillingsforschung weiß. Fest steht, dass bei allen Völkern und Kulturen weltweit Rechtshänder dominieren. Die Anatomie des Gehirns weist bei Rechts- und Linkshändern Unterschiede auf. Nur bei zwei Prozent der Rechtshänder befindet sich die sprachdominante Hirnhälfte rechts, bei Linkshändern jedoch bei rund 15 Prozent.

Die linke Hirnhälfte steuert nicht nur die rechte Hand, sondern ist auch vornehmlich für Sprechen, Lesen und Schreiben zuständig. Eventuell entsteht durch die Nähe eine verbesserte Zusammenarbeit der Hirnareale. Demnach müssten bei Linkshändern die entsprechende Gehirnaktivität vertauscht sein, doch das ist bei der Mehrzahl der Linkshänder nicht der Fall. Linkshänder denken mehrheitlich wie Rechtshänder mit der linken Gehirnhälfte.