Realitäts-Check für die „Polypille“: Risikoreduktion ist kleiner als erhofft

  • New England Journal of Medicine

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Hoffnung, mit einer „Polypille“ das kardiovaskuläre Risiko drastisch zu senken, hat in einer Studienpopulation mit Teilnehmern intermediären Risikos einen Dämpfer bekommen. Erreicht wurde ein Wert von 30 % Prozent bei relativ großen Konfidenzintervallen.

Hintergrund & Design

Manche Experten erhoffen sich eine Senkung des kardiovaskulären Risikos von einer Tablette („Polypille“), die mehrere Substanzen mit unterschiedlichen Wirkmechanismen miteinander kombiniert. In der Studie TIPS-3 wurde eine solche Pille, bestehend aus 40 mg Simvastatin, 100 mg Atenolol, 25 mg Hydrochlorothiazid und 10 mg Ramipril gegenüber Placebo getestet, und gleichzeitig Aspirin (75 mg) gegen Placebo, sowie – hier nicht berichtet - Vitamin D gegen Placebo. Durch das faktorielle Design der Studie war außerdem ein Vergleich der Polypille plus Aspirin gegen doppeltes Placebo möglich. Die 5713 Teilnehmer hatten keine kardiovaskulären Erkrankungen, und gemäß des INTERHEART Risiko-Wertes ein intermediäres Risiko.

Ergebnisse

  • Nach einer durchschnittlichen Nachverfolgungszeit von 4,6 Jahren hatten die Probanden unter der Polypille und der Kombinationstherapie gegenüber Placebo um ca. 19 mg / DL niedrigere LDL-Werte, und einen um etwa 5,8 mm Hg niedrigeren systolischen Blutdruck.
  • Das primäre Studienziel war Tod kardiovaskulärer Ursache, Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzstillstand mit Wiederbelebung, Herzversagen oder Revaskularisierung. Diese Ereignisse erlitten 4,4 % unter der Polypille gegenüber 5,5 % unter Placebo. Das Chancenverhältnis HR von 0,79 zugunsten der Polypille hatte ein 95%-Konfidenzintervall von 0,63 – 1,00.
  • Weniger deutlich war der Vergleich Aspirin gegen Placebo mit 4,1 versus 4,7 % und einer HR von 0,86 (95%-KI 0,67 – 1,10).
  • Unter der Kombination aus Polypille und Aspirin sah man bei 4,1 % Ereignisse gegenüber 5,8 % unter doppeltem Placebo (HR 0,69; 95%-KI 0,50 – 0,97).
  • Nebenwirkungen, die unter der Polypille gehäuft beobachtete wurden, waren niedriger Blutdruck und Schwindel.

Klinische Bedeutung

Die Kombination aus Polypille und Aspirin führte in dieser Population von durchschnittlich etwa 64 Jahre alten Menschen mit intermediärem kardiovaskulärem Risiko binnen 5 Jahren zu einer relativen Risikoreduktion von mehr als 30 % und zu einer absoluten Risikoreduktion von 1,7 Prozentpunkten. Das ist deutlich weniger als die 80 %, die Wald und Law avisiert hatten, als sie im Jahr 2003 ihr Konzept der Polypille vorstellten.

Finanzierung: Wellcome Trust u.a.