Rauchverzicht - ein wichtiger Erfolgsfaktor auch in der Gelenkchirurgie

  • Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Es gibt viele Argumente gegen das Rauchen. Dazu zählt nicht allein das erhöhte Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen, Tumoren und COPD. Erhöht ist auch das Risiko für Komplikationen nach Implantation von Endoprothesen, etwa Wundheilungsstörungen und Implantat-Lockerungen. Darauf hat nun die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V.  hingewiesen. 

Implantatlockerung, Infektionen, Sehnenrerupturen

Rauchen könne – ebenso wie Diabetes, starkes Übergewicht, Zahnerkrankungen, chronische Wunden oder Hautinfektionen – das Risiko für Komplikationen deutlich erhöhen, heißt es in einer Mitteilung der Fachgesellschaft. So treten bei Rauchern etwa Wundheilungsstörungen, Infekte und Lockerungen des Implantats um mindestens das Doppelte häufiger auf als bei Nicht-Rauchern. Auf das erhöhte Risiko von Rauchern für Komplikationen bei orthopädischen und unfallchirurgischen Operationen haben kürzlich auch die Orthopäden Prof. Dr. Nikolaus Böhler (Universitätsklinikum Linz) und Professor Li Felländer-Tsai ( Karolinska Universitätsklinikum Stockholm) in einem Zeitschriften-Beitrag  hingewiesen. So sei das Risiko für tiefe Infektionen bei Knie- und Hüftgelenksendoprothetik, aber auch Schulterendoprothetik Studien zufolge zeigt die Literatur 2,2-fach erhöht; die Wahrscheinlichkeit, dass eine Prothese gewechselt werden müsse, sei bei Rauchern um den Faktor 1,7 höher als bei Nicht-Rauchern. Bei Vorfuß-Operationen ist nach Angaben der beiden Orthopäden die Infektionsrate sogar um den Faktor 4,3 erhöht; nach Hallux-Operationen hätten Raucher eine um bis zu sieben Wochen verlängerte Knochenheilungs-Phase. Raucher hätten darüber hinaus nach Sehnenoperationen im Schulterbereich eine bis zu 5-fach erhöhte Re-Rupturrate und nach Knochenbrüchen eine deutlich verzögerte Heilungsdauer. Vermindert sei bei Rauchern auch die Chance auf einen guten Heilungsverlauf nach Fusions-Operationen an der Wirbelsäule oder den unteren Extremitäten.

Stärker im Fokus: Prävention

Die Implantation von künstlichen Hüft- und Kniegelenken hat sich seit ihren Anfängen in den 50er-Jahren durch den britischen Hüft-Pionier Sir John Charnley zu einem der erfolgreichsten operativen Eingriffe überhaupt entwickelt. Registerarbeit und verschiedene Zertifizierungsmaßnahmen, etwa das Endoprothesenregister Deutschland (EPRD) und das Qualitätssiegel EndoCert der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), führten zu einer laufenden Verbesserung von Prothesen und Operationsverfahren. „An dieser Stelle sind deshalb nur noch geringe Steigerungen zu erwarten“, sagt Professor Dr. Rudolf Ascherl, Präsident der AE. Um die Ergebnisse noch weiter zu verbessern, würde nun verstärkt auf weitere Faktoren geachtet, etwa die langfristige Vorbereitung der Patienten vor der Operation und das Patientenmanagement.

„Wir wissen heute, dass Begleiterkrankungen, Medikation sowie die körperliche und seelische Verfassung unserer Patienten einen wesentlichen Einfluss auf das Implantationsergebnis haben“, so Ascherl, Chefarzt des Gesundheitszentrums Waldsassen, MVZ Stiftland Tirschenreuth und Waldsassen. „Wir müssen die Betroffenen deshalb bereits ab dem Zeitpunkt der Indikationsstellung zum Ersatzgelenk engmaschig in die Vorbereitungen einbeziehen und aufklären.“ Dabei komme den Patienten heute auch eine viel aktivere Rolle zu. „Sie müssen mehr wissen und mehr für sich tun.“

So sei etwa vielen Rauchern nicht bekannt, dass der blaue Dampf nicht nur ihrer Lunge und ihren Gefäßen schade. „Das im Rauch enthaltene Kohlenmonoxid (CO) und die Cyanwasserstoffe führen zu einer verminderten Versorgung aller Gewebe mit Sauerstoff. Dadurch ist auch die Wund- und Knochenheilung bei einer Implantation beeinträchtigt“, so Ascherl. Die schädlichen Effekte des Rauchens bilden sich laut Ascherl jedoch sehr rasch zurück, wenn das Rauchen beendet werde. Deshalb lohne sich bei – übrigens allen – geplanten Operationen eine mindestens sechswöchige Rauchpause jeweils vor und nach der Operation.