Rauchstopp beginnt im Gehirn: Achtsamkeitstraining per Smartphone-App hilft mit, dem Zigarettenkonsum zu entsagen

  • Janes AC & al.
  • Neuropsychopharmacology
  • 30.04.2019

  • von Dr. Stefanie Reinberger
  • Studien – kurz & knapp
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Kernaussagen

Ein Achtsamkeitstraining per Smartphone-App unterstützt auf dem Weg zum Nichtraucher. Bei Probanden, die vier Wochen lang die App nutzten, war das posteriore Cingulum (posterior cingulate cortex, PCC) weniger aktiv, wenn die Probanden Bilder von Rauchern betrachteten. Dieser Effekt korrelierte mit einem stärkeren Rückgang des täglichen Zigarettenkonsums.

Hintergrund

Bereits in früheren Studien hatte sich gezeigt, dass Achtsamkeitstraining auf dem Weg zum Nichtraucherdasein eine effektive Unterstützung darstellt. Die neurobiologischen Mechanismen dahinter waren jedoch bislang unklar. Bekannt war aus einer vorhergehenden Studie, dass das Achtsamkeitstraining bei Nichtrauchern die Aktivität im PCC reduziert. Diese Gehirnregion reagiert bei Rauchern stark auf Schlüsselreize, die nach der Zigarette greifen lassen. Die vorliegende Studie untersucht, ob sich ein Achtsamkeitstraining mit Hilfe einer Smartphone-App auf die Aktivität des PCC und den Erfolg beim Rauchstopp auswirkt.

Studiendesign

Randomisierte Studie mit insgesamt 67 Teilnehmern. Vier Wochen lang nutzten die Probanden entweder eine achtsamkeitstrainingsbasierte App (n=33) oder die Nichtraucher-App QuitGuide des National Cancer Institute. Zu Beginn und am Ende des Untersuchungszeitraums wurde die Aktivität im PCC beim Anblick von Bildern, auf denen geraucht wird, gemessen. Durch Selbstauskunft der Studienteilnehmer wurde zudem der Zigarettenkonsum erhoben.

Hauptergebnisse

  • Die Probanden, die die Achtsamkeits-App nutzten, reduzierten ihren Zigarettenkonsum signifikant um durchschnittlich 11 Zigaretten pro Tag.
  • Bei den Probanden, die die QuitGuide-App nutzten, ging der tägliche Konsum um durchschnittlich 9 Zigaretten zurück.
  • In beiden Gruppen schaffte es ein Teil der Teilnehmer innerhalb des Untersuchungszeitraums ganz aufzuhören.
  • In der Achtsamkeitsgruppe zeigte sich eine signifikante Korrelation zwischen einer Reduktion der PCC-Aktivität und dem Rückgang des Zigarettenkonsums (r = 0.39, p = 0.02).
  • In der Gruppe, die die QuitGuide-App nutzte, ließ sich keine derartige Korrelation beobachten (r = 0.08, p = 0.65).
  • Überraschend war, dass bei 13% der Teilnehmer das PCC gar nicht auf Rauchbilder reagierte – und zwar weder vor noch nach dem Anti-Rauch-Training per App. Dieses Phänomen wurde zuvor noch nie beschrieben.
  • Einige Teilnehmer reagierten am Ende der Studie stärker auf Rauchbilder, egal welche App sie genutzt hatten. Dieser Effekt war im Zusammenhang mit dem Zigarettenentzug bereits bekannt.

Klinische Bedeutung

"Dies ist die erste Studie, die zeigt, dass ein Achtsamkeitstraining spezifisch einen Mechanismus im Gehirn beeinflussen kann und dass Veränderungen in diesem Mechanismus mit verbesserten klinischen Ergebnissen einhergehen“, sagt der Letztautor der Studie, Jud Brewer, von der Brown University School of Public Health in Providence, Rhode Island, USA. Achtsamkeitstraining könnte daher zu einem wichtige n Werkzeug für die Raucherentwöhnung werden. Die Studie stellt außerdem einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zu einem personalisierten Vorgehen dar.

Limitierungen

Geringe Probandenzahl und kurzer Beobachtungszeitraum

Finanzierung

The National Institutes of Health