Raucher-Entwöhnung: Höhere Abstinenzrate durch E-Zigarette als durch Pflaster&Co.


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

E-Zigaretten können womöglich Rauchern bei der Entwöhnung von ihrer Sucht helfen. Mit E-Zigaretten - kombiniert mit intensiver Beratung - gelingt ein Rauchstopp häufiger als mit Nikotinersatz-Produkten.

Hintergrund

E-Zigaretten erfreuen sich einiger Beliebtheit, bei langjährigen Rauchern, aber auch bei Menschen, die zuvor nicht geraucht haben, insbesondere bei Jugendlichen. Getrommelt wird für E-Zigaretten unter anderem mit der Aussage, dass sie Rauchern den Abschied von herkömmlichen Zigaretten und so Nikotin-Entwöhnung erleichtern könnten, was allerdings umstritten ist.

Design

Randomisierte und kontrollierte Studie mit 886 abstinenzwilligen Rauchern mit einer mittelstarken bis starken Abhängigkeit (4,6 Punkte im Fagerströmtest, der von 0 bis 10 reicht). Die Patienten bildeten zwei Gruppen: Die Mitglieder der einen Gruppe erhielten zunächst eine Beratung und zum Start ein Paket mit einer E-Zigarette und einem Liquid (18 mg Nikotin pro Milliliter). Weitere Liquide sollten sie sich dann selbst kaufen.

Die Patienten der zweiten Gruppe wurden ebenfalls zunächst beraten; danach bekamen sie unterschiedliche Nikotinersatz-Produkte zur Entwöhnung angeboten (Nikotin-Kaugummi, Nikotinpflaster und andere; drei Monate kostenfrei). Primärer Endpunkt war die Tabakabstinenz nach einem Jahr; die Adhärenz wurden mit Atemtests auf Kohlenmonoxid überprüft.

Hauptergebnisse 

  • Die E-Zigaretten erwiesen sich beim primären Endpunkt als überlegen: Die Abstinenzraten betrugen nach einem Jahr 18 (79/443) und 9,9 Prozent (44/446).  
  • Nach einem Jahr verwendeten jedoch von den 79 Patienten, die mit E-Zigaretten abstinent geworden waren, immer noch 63, also 80%, E-Zigaretten. In der Vergleichsgruppe hingegen nutzten nur noch neun Prozent (4/44) weiterhin Nikotinersatz-Produkte. 
  • Husten und Schleim-Produktion gingen in der Gruppe mit E-Zigaretten rascher zurück. 

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse scheinen dafür zu sprechen, dass die E-Zigarette tatsächlich einen relevanten Beitrag bei der Raucher-Entwöhnung leisten kann. Allerdings haben die Probanden der Studie eine recht intensive Beratung und Betreuung erhalten, was im Alltag außerhalb kontrollierter Studien eher die Ausnahme sein dürfte. Darüber hinaus ist nicht sicher genug auszuschließen, dass die beratenden Therapeuten in der Studie die Patienten beeinflusst haben. Das aktuelle Ergebnis einer Abstinenzrate von 18 Prozent entspricht dem, was auch mit Vareniclin in Studien erreicht worden ist. 

Zu bedenken ist darüber hinaus, dass auch E-Zigaretten nicht frei von Risiken und vor allem die Langzeit-Effekte noch nicht ausreichend geklärt sind.  Insgesamt dürfte weiterhin gelten, dass E-Zigaretten zwar herkömmlichen Zigaretten vorzuziehen sind. Aber umstritten ist vermutlich weiterhin, ob sie die erste Wahl bei der Raucher-Entwöhnung sein sollten. 

Finanzierung: National Institute for Health Research and Cancer Research