Rauchen in der Schwangerschaft erhöht ADHS-Risiko beim Kind


  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Das Risiko eines Kindes, später im Leben eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts -Störung (ADHS) zu entwickeln, ist abhängig vom Gehalt des Nikotin-Abbauproduktes Cotinin im Blut der Mutter während der Schwangerschaft. Dies zeigte eine epidemiologische Studie des Forschungszentrums für Kinderpsychiatrie an der Universität Turku, die jüngst in Pediatrics publiziert wurde.

Hintergrund

Die im Tabakrauch enthaltenden Schadstoffe gelangen über die Plazenta der Schwangeren in den Blutkreislauf des Ungeborenen, was langfristig das Risiko für zahlreiche Krankheiten und Entwicklungsstörungen der Kinder erhöht. Auch ADHS wurde bereits in mehreren Studien mit dem mütterlichen Rauchen während der Schwangerschaft in Verbindung gebracht. Allerdings wurde die Kausalität eines solchen Zusammenhangs in Frage gestellt, da alle bisherigen Studien auf der Selbstauskunft der Mütter beruhten, die ihren Nikotinkonsum in der Regel unterschätzen.

Design

Das Team um Roshan Chudal von der Universität Turku untersuchte erstmals den Zusammenhang zwischen der Nikotinbelastung des Fötus und der Diagnose ADHS durch Messung des Cotininspiegels der schwangeren Mutter. Die Studie umfasste 1079 Mütter, deren Kinder ADHS entwickelten und einer Kontrollgruppe von Müttern gesunder Kinder. Die Forscher analysierten die Blutproben dieser Frauen, die während ihrer Schwangerschaft entnommen und in der nationalen Biobank archiviert wurden.

Ergebnisse

Die Kinder von Schwangeren mit einem positiven Cotininnachweis erkrankten später zu 9 % häufiger an ADHS. Der Zusammenhang blieb auch dann erhalten, wenn andere Einflussfaktoren, wie Alter und Gesundheitszustand von Mutter und Vater, der sozioökonomische Status der Mutter und das Geburtsgewicht des Kindes berücksichtigt wurden.

Zudem korrelierte das Risiko der Kinder, an ADHS zu erkranken, mit dem Ausmaß des mütterlichen Nikotinkonsums. Je höher die Nikotindosis der Mutter, desto mehr Kinder erkrankten an ADHS. Bei den Müttern mit den höchsten Cotininkonzentrationen war das ADHS-Risiko des Nachwuchses sogar um das Dreifache erhöht.

Klinische Bedeutung

„Unsere Ergebnisse stellen einen signifikanten Zusammenhang zwischen pränataler Nikotinbelastung und ADHS bei den Nachkommen fest, sagte Studienleiter Professor Sourander, Leiter der Forschungsgruppe des Forschungszentrums für Kinderpsychiatrie. Angesichts der hohen Prävalenz von ADHS bei Kindern, deren Mütter in der Schwangerschaft geraucht haben, fordern die finnischen Wissenschaftler weitere Studien zur Wechselwirkung zwischen mütterlichem Rauchen und ökologischen, genetischen und epigenetischen Faktoren.

Finanzierung:  Academy of Finland, National Institutes of Health (NIH), Brain and Behavior Research Foundation, Finnish Medical Foundation