Quelle für lebensbedrohliche Infektionen nach Herz-Operationen in Medizingeräten gefunden


  • Nicola Siegmund Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Seit 2013 wurden bei mehr als 100 Patienten weltweit Infektionen mit dem nichttuberkulösen Mykobakterium M. chimaera nach Herz klappen operationen festgestellt, manifestiert als Endokarditis, Infektion der künstlichen Herzklappe oder mit systemischer Ausbreitung. Circa die Hälfte dieser Infektionen verlief tödlich. Betroffen waren Patienten aus Europa, darunter Deutschland, aus den USA, Australien und Neuseeland. Seit längerem werden Geräte zur Regulierung der Bluttemperatur bei Herzoperationen (Heizkühler) als Ursache ver mutet. I nternational waren Gesundheits- und Aufsichtsbehörden aktiv geworden und Hersteller. Einen direkten Beleg für den Zusammenhang aber gab es bislang nicht.

Kernbotschaften

Infektionen mit nichttuberkulösen My kobakterien können intraoperativ erworben werden, wenn Temperaturregulierungsgeräte für Herz-Lungen-Maschinen kontaminiert sind und ein Kontakt zwischen dem wasserführenden System des Heizkühlers und der Raumluft des Op besteht. Die Latenzzeit zwischen Op eration und Diagnose der häufig schwer verlaufenden Infektion beträgt 3 bis 4 Jahre.

Hauptergebnisse

Die große genetische Ähnlichkeit zwischen Isolate n von Mycobacterium chimaera  aus Patienten proben mit Isolaten von Heizkühlern bestätigt den Verdacht, dass sich Patienten beim Einsetzen künstlicher Herzklappen infiziert haben. Diese Kausalkette sei auf Basis der Analysen kompletter Genome „höchst wahrscheinlich“, heißt es in der Publikation, die auch den internationalen Hersteller (LivaNova) und dessen Produktionsstätte in Deutschland nennt. Die phylogenetische Analyse ergab aber auch: Bei m indestens ein em Patient en gab es andere Infektionsursachen, möglicherweise eine lokale Verunreinigung im Krankenhaus. Die Diagnose wurde duchschnittlich 3,6 Jahre nach Op gestellt.

Design

  • molekularepidemiologische Untersuchung an 250 Proben von Patienten mit M. chimaera-Infektion mit und ohne Bezug zu Herzoperationen (n=21 und n=35),                      von Geräten zweier Hersteller, von deren Produktionsstätten und aus der Umgebung von Kliniken, in denen infizierte Patienten behandelt worden waren
  • Sequenzierungen des kompletten Genoms (Next Generation Sequencing) der Bakterienisolate
  • Stammbaumanalysen

Klinische Bedeutung

Erstmals ist belegt worden, dass sich Patienten bei Herzoperationen über die Raumluft mit nichttuberkulösen Mykobakterien infizieren können. Kontaminierte Temperaturregulierungsgeräte für die Herz-Lungen-Maschinen kommen - bei bestimmten Bauweisen - als Infektionsquelle infrage, was bei den Sicherheitskonzepten berücksichtigt werden sollte. Auch sollten Operationssäle frei von unkontrollierten Wasserquellen sein. Eine Erkrankung kann sich noch viele Jahre nach der Operation manifestieren, mit weiteren Fällen muss gerechnet werden.