Putin: Russland hat als erstes Land weltweit einen Impfstoff gegen SARS-CoV-2 zugelassen


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Russland hat nach eigenen Angaben als erstes Land der Welt offiziell einen Impfstoff gegen SARS-CoV-2 zugelassen. Bislang wurde der Impfstoff, der vom Moskauer Gamaleja-Institut für Epidemiologie und Mikrobiologie entwickelt wurde, allerdings erst erst bei wenigen Menschen getestet. Die Vakzine soll auch ins Ausland exportiert werden.

Bislang keine wissenschaftlichen Daten veröffentlicht

Der Impfstoff sei ausreichend effektiv, erzeuge eine stabile Immunität und habe alle notwendigen Tests durchlaufen, so laut Interfax Wladimir Putin in einer Sitzung des russischen Kabinetts. Laut dem russischen Präsidenten wurde eine seiner Töchter bereits geimpft.

Das Gamaleja-Institut hatte bereits im Mai mitgeteilt, einen Impfstoff entwickelt zu haben. Nach eigener Darstellung liefen die ersten Tests erfolgreich. Das Präparat wurde demnach an 50 Soldaten erprobt, die sich freiwillig gemeldet hätten. Russland hat bislang jedoch keine Daten zu dem Impfstoff veröffentlicht. Verwendet werden für die Vakzine Adenoviren. Auch die Vakzine der Oxford-Forscher (Zusammenarbeit mit AstraZeneca) basiert auf Adenoviren. Den russischen Gesundheitsbehörden zufolge sollen medizinisches Personal, Lehrer und andere Risikogruppen als erste geimpft werden.

Kritik an Russland: voreilig und riskant

Das Vorgehen von Russland wird von Wissenschaftlern als übereilt und riskant kritisiert. Er sei besorgt, dass Russland beim Verfahren wichtige Schritte übergehe und „der daraus hervorgehende Impfstoff vielleicht nicht nur unwirksam, sondern auch nicht sicher ist",  so laut „tagesschau.de" Lawrence Gostin, ein Experte für globale Gesundheitsgesetze an der Georgetown University in Washington. „So geht es nicht. Zuerst kommen Versuche. Das ist wirklich wichtig.“

Auch die WHO betont, dass potenzielle Impfstoffe immer durch alle Testphasen gehen müssten, bevor sie auf den Markt kämen. „Es gibt etablierte Praktiken und Richtlinien", sagte Sprecher Christian Lindmeier. Auch der US-Virologe Anthony Fauci macht Medienberichten zufolge aus seiner Besorgnis über Russlands Eiltempo keinen Hehl: „Behauptungen, einen Impfstoff zu haben, der verbreitet eingesetzt werden kann, bevor man testet, ist nach meiner Ansicht bestenfalls problematisch.“

Die USA, Großbritannien und Kanada haben laut „New York Times“ der russischen Regierung sogar vorgeworfen, dass „Hacker“ im offiziellen Auftrag  versucht hätten, Forschungs-Daten zu Impfstoffen gegen das neue Corona-Virus zu stehlen. Die Vorwürfe wurde von der russischen Regierung zurückgewiesen.