Psychosen trotz injizierter Antipsychotika: Meta-Analyse identifiziert Risikofaktoren

  • Lancet Psychiatry

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Patienten aus dem schizophrenen Formenkreis erleben auch unter injizierbaren Antipsychotika häufig psychotische Rückfälle, zeigt eine Meta-Analyse. Mit einer Inzidenz von ca. 15 versus 32 / 100 Beobachtungsjahre sind anfänglich asymptomatische Patienten jedoch nur etwa halb so oft betroffen. Tardive Dyskinesien und Substanzgebrauch sind dagegen Prädiktoren für ein erhöhtes Risiko.

Hintergrund

Die meisten Patienten mit Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis erleben Rückfälle, die das Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko erhöhen. Mehr als die Hälfte der Patienten könnten ihre antipsychotische Erhaltungstherapie nicht regelmäßig einnehmen, schätzen die Autoren der aktuellen Studie, sodass die Ursache der Rückfälle womöglich durch unbemerkte Therapieunterbrechungen verschleiert werde. Die Datenlage dazu sei jedoch unbefriedigend, sodass man hier versucht hat, verlässliche Schätzungen zur Inzidenz und den Prädiktoren der Rückfälle während einer Therapie mit injizierbaren Antipsychotika zu erheben.

Design

Systematische Übersicht und Meta-Analyse anhand individueller Patientendaten aus klinischen Studien mit langwirksamen injizierbaren Antipsychotika.

Ergebnisse

  • Daten wurden extrahiert aus 19 Kohorten mit 5130 Individuen, darunter 2938 die vor dem jeweiligen Studienbeginn in symptomatischer Remission waren, und 2192 ohne. Die addierte Beobachtungszeit belief sich auf 3959 Personenjahre.
  • Die gepoolte Inzidenz für einen Rückfall betrug 22,97 / 100 Jahre. In der ersten Gruppe waren es 14,76, in der zweiten 31,51 / 100 Jahre. Das Verhältnis der Inzidenzraten zwischen beiden Gruppen betrug 0,19 (95%-Konfidenzintervall 0,07 – 0,54).
  • Rückfälle waren generell mit funktionellen Verlusten verbunden. Die standardisierte mittlere Differenz betrug – 0,76 und war für die Patienten in symptomatischer Remission weniger stark ausgeprägt (- 0,52) als für jene ohne Remission (- 0,72).
  • Der wichtigste Prädiktor für einen Rückfall waren tardive Dyskinesien zu Beginn der Behandlung mit einem Chancenverhältnis HR von 2,39 (95%-KI 1,05 – 5,42). Auch bei Patienten mit Substanzgebrauch war dieses Risiko erhöht (HR 1,55; 95%-KI 1,15 – 2,10).

Klinische Bedeutung

Es ist schwierig, den Einfluss mangelnder Compliance und intrinsischer symptomatischer Variabilität bei psychotische Rückfällen zu unterscheiden, kommentiert Robert A McCutcheon (Kings College, London). Die Studie bestätigt nun, dass Rückfälle relativ häufig und unvorhersehbar sind, auch bei Patienten mit optimaler Adhärenz wie hier durch injizierte Antipsychotika. Für ein vollständigeres Bild wären Langzeitstudien wünschenswert, so McCutcheon.

Finanzierung: Northwell Health.