Psychose-Risiko steigt nach Umzügen im Jugendalter


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Forscher haben das Psychose-Risiko für 1,4 Millionen Schweden anhand eines nationalen Registers bestimmt und mit der Zahl der Umzüge im Kinder- und Jugendalter verglichen. Als besonders vulnerabel erweisen sich Jugendliche, die zwischen 16 und 19 Jahren den Wohnort wechseln mussten.

Hintergrund

Häufige Wohnortwechsel stellen für Kinder und Jugendliche eine psychische Belastung dar. Die Einzelheiten sind allerdings nicht im Detail erforscht. Beispielsweise ist unklar, ob es Zeitfenster gibt, in denen die Heranwachsenden besonders gefährdet sind, oder ob eine größere Distanz der Umzüge und die damit verbundene Schädigung sozialer Netzwerke das Risiko für Psychosen erhöhen.

Design

Ziel dieser prospektiven Kohortenstudie unter Einschluss aller zwischen 1982 und 1996 in Schweden geborenen Personen mit einem Follow-Up bis zum 30. Lebensjahr war es, die Assoziation zwischen Wohnortwechseln und dem Risiko für nicht-affektive Psychosen gemäß ICD-10 F20-29 zu ermitteln. Aus dem nationalen Register des Landes konnten dafür die vollständigen Daten von 1.440.383 Personen entnommen werden, was 97,8 % der gesamten Studienpopulation entspricht.

Hauptergebnisse

  • Eine nicht-affektive Psychose wurde bei 4537 Personen (0,31 %) im medianen Alter von 20,9 Jahren diagnostiziert.
  • Häufiger Umzüge in der Kindheit und Jugend waren Dosis-abhängig mit einem erhöhten Psychose-Risiko assoziiert.
  • Die empfindlichste Periode war der Zeitraum zwischen 16 und 19 Jahren; für diese Jugendlichen betrug das adjustierte Chancenverhältnis HR 1,99 gegenüber denjenigen, die niemals umgezogen waren (95%-Konfidenzintervall 1,30 – 3,05).
  • Ähnlich hoch war die HR bei 4 oder mehr Umzügen im Erwachsenenalter (1,82), wogegen es bei einem einzigen Umzug keine Assoziation gab (HR 1,04).
  • Für Umzüge über größere Distanzen vor dem 17. Lebensjahr fanden die Forscher eine adjustierte HR von 1,11 mit einem 95%-KI von 1,05 – 1,19 und Hinweise auf einen nichtlinearen Schwelleneffekt für Umzüge über mehr als 30 Kilometer Entfernung.
  • Ab dem 21. Lebensjahr waren weitere Umzüge mit einem verringerten Psychose-Risiko assoziiert (HR 0,67, 95%-KI 0,63 – 0,71).

Klinische Bedeutung

Einmal mehr liefert ein skandinavisches Register überzeugende und quantitative Antworten zu den möglichen Risikofaktoren psychischer Erkrankungen: Umzüge als Auslöser von Störungen im Wohnumfeld von Kindern und Jugendlichen sind mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für nicht-affektive Psychosen im frühen Erwachsenenalter assoziiert. Plausibel scheint die Annahme der Autoren, dass die soziale Isolierung in einem prägenden Lebensabschnitt für den Effekt verantwortlich sein könnte.

Finanzierung: Wellcome Trust, Royal Society, National Health Service Foundation Trust und Universität Bristol.