Psycho-, Pharma- oder Kombinationstherapie bei der posttraumatischen Belastungsstörung?

  • JAMA Psychiatry

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine Netzwerk-Metaanalyse deutet auf die Überlegenheit eines kombinierten Therapieansatzes bei der posttraumatischen Belastungsstörung. Die Datenbasis ist allerdings dünn.

Hintergrund

Der Anteil der Bevölkerung, der im Laufe des Lebens unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet, wird für Deutschland mit 1 – 3 % und für die USA mit 5 – 10 % geschätzt. Das Risiko einer Chronifizierung und der Entwicklung anderer Angststörungen, affektiver- und Abhängigkeitserkrankungen ist hoch. Der relative Stellenwert pharmakologischer und/oder psychotherapeutischer Maßnahmen wird kontrovers diskutiert.

Design

Netzwerk-Metaanalyse zum Vergleich der Resultate und der Akzeptanz psychotherapeutischer und pharmakologischer Behandlungen sowie deren Kombination. Durchsucht wurden 5 Literaturdatenbanken für den Zeitraum 1980 – 2018 sowie die dort und in Leitlinien sowie früheren Reviews erwähnten Referenzen.

Ergebnisse

  • Unter 11.417 Einträgen fanden sich 12 randomisierte, klinische Studien mit 922 Teilnehmern, aus denen 23 direkte Vergleiche gezogen werden konnten.
  • Zum Ende der Behandlungszeit war keiner der verschiedenen Behandlungsansätze überlegen.
  • Bei der letzten Nachuntersuchung waren psychotherapeutische Verfahren den pharmakologischen Therapien überlegen. Die standardisierte mittlere Differenz (SMD) betrug in der Netzwerkanalyse – 0,83 bei einem 95%-Konfidenzintervall von – 1,59 bis – 0,07, und beim paarweisen Vergleich dreier randomisierter Studien – 0,63 bei einem 95%-KI von – 1,18 bis – 0,09.
  • Zwischen einer kombinierten Therapie und alleiniger Psychotherapie gab es in der langfristigen Nachverfolgung keinen Unterschied.
  • Die kombinierte Behandlung war einer pharmakologischen Behandlung in der Netzwerk-Analyse überlegen (SMD von – 0,96 bei einem 95%-KI von – 1,87 bis – 0,04). Im paarweisen Vergleich mit 2 randomisierten Studien war der Unterschied bei einer SMD von – 1,02 und einem 95%-KI von – 2,77 bis 0,72 aber nicht signifikant.
  • Es gab keine Hinweise auf eine unterschiedliche Akzeptanz der 3 Therapieansätze

Klinische Bedeutung

Die Literatursuche der Autoren ergab mit nur 12 Studien und 922 Teilnehmern eine geringe Ausbeute; die paarweisen Vergleiche stützen sich auf lediglich 2 bzw. 3 Studien. Die Schlussfolgerungen, dass eine Psychotherapie besser sei als eine Pharmakotherapie und dass eine kombinierte Behandlung langfristig besser zu sein scheint als eine Pharmakotherapie, sind daher als vorläufig zu betrachten. Wie die Autoren selbst bemerken, besteht ein Bedarf für robuste Beweise aus großen Studien mit langen Nachverfolgungszeiten.

Finanzierung: Keine Angaben.