Psychische Gesundheit in Zeiten von Covid-19

Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Berlin (pag) – Die Covid-19 Pandemie ist zuallererst eine physische Gesundheitskrise, doch Lockdowns, Nachrichten und ökonomische Probleme belasten auch die Psyche. Dazu haben sich in einem Online-Panel der Leopoldina und der Südafrikanischen Akademie der Wissenschaften Experten aus vier Ländern ausgetauscht: Südafrika, Nigeria, Spanien und Deutschland.

 

Das Team von Prof. Berta Ausín von der Universität Madrid hat in der spanischen Hauptstadt untersucht, wie der Lockdown die psychische Gesundheit der Bewohner beeinflusst hat. Dazu wurden die Menschen zwei Wochen, einen Monat und zwei Monate nach Beginn des Lockdowns befragt. 18,7 Prozent zeigten Symptome von Depressionen, 29,6 Prozent Symptome von Angstzuständen und 15,1 Prozent PTSD-Symptome. Die Symptome sind während des Lockdowns zunächst angestiegen, dann aber wieder abgefallen. Vor Covid-19 hatten in Spanien 8,4 Prozent der Bevölkerung psychische Probleme, hauptsächlich Depressionen.

„Covid-19 hatte die stärksten Auswirkungen auf die psychiatrische Versorgung“, berichtet Prof. Oye Gureje von der Universität Ibadan aus Nigeria. Da es nicht ausreichend Schutzausrüstungen gab, konnten psychiatrische Patienten nicht behandelt werden. Auch heute gebe es noch Probleme. „Wir haben noch nicht einmal annähernd wieder den Normalzustand erreicht.“

In Südafrika leiden unter Normalbedingungen etwa 30 Prozent der Bevölkerung unter psychischen Erkrankungen. Die Pandemie verschlimmert die Lage für verschiedene Gruppen. Covid-Risikogruppen zeigten stärkere Depressionssymptome, ebenso Menschen mit Kindheitstraumata, beschreibt Prof. Ashraf Kagee von der Universität Stellenbosch. Man brauche allerdings noch bessere Daten, um zu belegen, dass es posttraumatische Effekte gebe.

Prof. Andreas Heinz von der Charité Universitätsklinik in Berlin erläutert die Auswirkungen der Pandemie auf Wohnungslose mit psychischen Erkrankungen. Man habe bei der Akutversorgung in der psychiatrischen Abteilung einen dreißigprozentigen Anstieg dieser Gruppe festgestellt, da viele ambulante Angebote geschlossen oder nur per Videosprechstunde erreichbar waren. Wohnungslose hätten aber keinen Zugang zu diesen Technologien.