Psychische Erkrankungen unter Patienten mit Psoriasis annähernd doppelt so häufig

  • JAMA Dermatology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Die Diagnose „Psoriasis“ geht nicht nur mit einem erhöhten Risiko für Depressionen einher, sondern auch mit einer annähernd doppelt so hohen Wahrscheinlichkeit, an anderen psychischen Störungen oder an einer vaskulären Demenz zu erkranken.

Hintergrund

Wiederholt haben Studien eine Assoziation zwischen der Schuppenflechte und einem erhöhten Risiko für psychische Erkrankungen aufgezeigt, darunter Depressionen, Angststörungen und Suizidalität. Was fehlt, sind Studien mit einer großen Zahl von Patienten, die das langfristige Risiko der Entwicklung eines breiten Spektrums mentaler Erkrankungen erfassen, die sich im Erwachsenenalter manifestieren.

Design

Populationsbasierte Fall-Kontrollstudie mit den Daten aller Patienten, die in dänischen Kliniken erfasst und zwischen 1977 und 2012 mindestens zwei Mal die Diagnose „Psoriasis“ erhalten hatten. Ihnen gegenübergestellt wurde mithilfe des dänischen Bevölkerungsregisters jeweils die 10-fache Zahl an Personen gleichen Geschlechts und Alters. Die Nachverfolgung dauerte bis zur Diagnose einer psychischen Erkrankung, Tod, Auswanderung oder Studienende.

Ergebnisse

  • Die Forscher identifizierten 13.675 Individuen mit Schuppenflechte und berechneten für diese Gruppe eine kumulative 5-Jahres – bzw. 10-Jahresinzidenz für jegliche psychische Erkrankung von 2,6 bzw. 4,9 %.
  • Das Chancenverhältnis HR für jegliche psychische Erkrankung betrug im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung 1,75 bei einem 95%-Konfidenzintervall von 1,62 – 1,89.
  • Für ausgewählte psychische Erkrankungen wurden die folgenden Chancenverhältnisse ermittelt:
    • Vaskuläre Demenz: 1,73 (95%-KI 1,21 – 2,47)
    • Schizophrenie: 1,64 (95%-KI 1,01 – 2,65)
    • Bipolare Erkrankung: 2,33 (95%-KI 1,59 – 3,41)
    • Unipolare Depression:  1,72 (95%-KI 1,49 – 1,98)
    • Generalisierte Angststörung: 1,88 (95%-KI 1,08 – 3,30)
    • Persönlichkeitsstörung: 2,06 (95%-KI 1,55 – 2,73)
  • Patienten mit kürzerer Schul- und Weiterbildung hatten ein höheres Risiko für psychische Erkrankungen als solche mit höheren Bildungsabschlüssen (HR 1,45; 95%-KI 1,26 – 1,67).

Klinische Bedeutung

Die Studie bestätigt frühere Befunde, wonach Psoriasis-Patienten ein höheres Risiko haben, an Depressionen zu erkranken. Neu ist der Nachweis eines ebenfalls deutlich erhöhten Risikos für die Bipolare Störung und für eine vaskuläre Demenz. Die Autoren raten den behandelnden Ärzten deshalb, sich nicht nur auf die Haut, sondern auch auf die Psyche ihrer Psoriasis-Patienten zu fokussieren.

Finanzierung: Psoriasis Forskningsfonden.