Prostitution in Entwicklungsländern: Abtreibungen und Müttersterblichkeit häufigste Todesursachen

  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei annähernd der Hälfte aller Prostituierten in Entwicklungsländern ist die Todesursache entweder eine Abtreibung oder eine andere Form der Müttersterblichkeit. Dies ist das Ergebnis einer Befragung im Umfeld von mehr als 2000 Verstorbenen in acht Ländern.

Hintergrund

Die Mehrzahl der Studien über weibliche Prostituierte beschäftige sich mit den Ursachen der Morbidität in dieser Gruppe, schreiben die Autoren der aktuellen Erhebung. Daten zu den Todesursachen seien hingegen Mangelware. Dies sei eine Herausforderung insbesondere in Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen, wo die Sterberegister und die Statistiken oft lückenhaft sind.

Design

Mangels genauer offizieller Daten wurde zur Identifikation der Todesursachen unter Prostituierten das Verfahren der „Community Knowledge Approach“ (CKA) angewandt. Die Methode beruht auf der systematischen Befragung Ortsansässiger im Umfeld der Betroffen, die durch Mitglieder von Hilfsorganisationen und Nicht-Regierungsorganisationen rekrutiert werden. Die CKA wurde in einer Studie validiert, die in indonesische Dörfern eine Sensitivität von 80 – 100 % bezüglich der Mortalität von Müttern, Neugeborenen und Gelbsucht ergeben hatte. Die aktuelle Untersuchung evaluierte 2112 Todesfälle in den Ländern Angola, Brasilien, Demokratische Republik Kongo, Indien, Indonesien, Kenia, Nigeria und Südafrika in den Jahren 2014 – 2019.

Ergebnisse

  • An 165 Gruppentreffen nahmen 1280 Prostituierte teil; 2112 Todesfälle wurden identifiziert.
  • Der Großteil der Todesfälle ereignete sich im Jahr 2019 (57,9 %) und unter Frauen im Alter zwischen 20 und 29 Jahren (57,2 %).
  • Die häufigsten Todesursachen waren (11,6 % nicht klassifizierbar):
    • Abtreibung (35,5 %)
    • sonstige Müttersterblichkeit (16,6 %)
    • Suizid (13,6 %)
    • Mord (12,5 %)
    • HIV/Aids (7,9 %)
    • Unfälle (3,2 %)
  • 3659 Kinder verloren ihre Mütter.

Klinische Bedeutung

Die Müttersterblichkeit – insbesondere durch Abtreibungen – ist die weitaus häufigste Todesursache unter Prostituierten in Entwicklungsländern. Dies ist gleichzeitig der Bereich, der zielgerichteten Präventionsmaßnahmen am ehesten zugänglich wäre.

Finanzierung: New Venture Fund.