Prostatakarzinom: stereotaktische Bestrahlung mit 5 Fraktionen so verträglich wie normale Fraktionierung


  • Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Patienten mit Prostatakarzinom und niedrigem oder moderatem Risiko vertragen eine stark hypofraktionierte stereotaktische Bestrahlung (36 Gy in 5 Fraktionen oder 22 Gy in 3 Fraktionen) vergleichbar gut wie eine leicht hypofraktionierte Bestrahlung (62 Gy in 20 Fraktionen) oder die normale Fraktionierung (78 Gy in 39 Fraktionen). Dadurch lassen sich Behandlungszeit und -aufwand für Patienten und Kliniken deutlich vermindern. Allerdings stehen Daten zur Nicht-Unterlegenheit bei der Effektivität noch aus.

Hintergrund
Für Prostatakarzinompatienten, die ein niedriges oder intermediäres Risiko haben, gibt es viele Therapieoptionen: Operation, externe Bestrahlung oder Brachytherapie, aber auch aktive Surveillance. Da aktives Monitoring dem gegenwärtigen Kenntisstand nach die Prognose gegenüber Radiotherapie oder Operation nicht verschlechtert, werden an die Sicherheit einer invasiven Behandlung oder der Bestrahlung hohe Anforderungen gestellt.

Eine Beschränkung der Einzeldosis auf 2 Gy (normale Fraktionierung) oder 2,5-3,0 Gy (moderate Fraktionierung) ist im Allgemeinen mit guter Verträglichkeit assoziiert, erfordert aber einen hohen Aufwand, um eine Gesamtdosis zwischen 60-78 Gy zu erreichen. In der PACE-B-Studie werden akute Toxizität und Effektivität einer normal oder moderat hypofraktionierten Bestrahlung mit einer stark fraktionierten von 3-5 Einheiten verglichen. Die stark fraktionierte, stereotaktische Radiotherapie erfolgt mit einem Cyberknife-System, einem kompakten Linearbeschleuniger, der auf einen Roboterarm montiert ist, sich um die Patientenliege herum bewegt und hochenergetische Photonenstrahlen erzeugt.

Design

  • unverblindete prospektiv randomisierte Phase-3-Studie an 37 Zentren in 3 europäischen Ländern
  • Einschlusskriterien: histologisch bestätigtes Adenokarzinom der Prostata mit niedrigem oder intermediärem Risiko, Gleason-Score 6-7
  • Randomisierung 1: 1 in zwei Studienarme mit
    • A) normaler Fraktionierung (78 Gy in 39 Fraktionen) einer intensitätsmodulierten Bestrahlung oder leichter Hypofraktionierung (62 Gy in 20 Fraktionen) oder
    • B) 36,25 Gy in 5 Fraktionen oder 21,75 Gy in 3 Fraktionen, jeweils mit einem Cyberknife-System.
  • koprimärer Endpunkt: akute gastrointestinale oder urogenitale Toxizität

Hauptergebnisse
Die Daten von 847 Patienten waren für die Akuttoxizität auswertbar: 432 Patienten aus Studienarm A und 415 Teilnehmer aus Studienarm B. Die schwersten unerwünschten Effekte waren von Grad 2. Davon traten gastrointestinale Nebenwirkungen bei 12 % im Studienarm A auf und bei 10 % in Studienarm B. Urogenitale Nebenwirkungen von maximal Grad 2 gab es bei 27 % der Patienten unter konventionell oder leicht hypofraktionierter Bestrahlung und bei 23 % unter stereotaktischer Bestrahlung mit dem Cyberknife. Die Differenzen waren nicht signifikant, so dass die Nicht-Unterlegenheit der ultrahypofraktionierten Bestrahlung mit der normal oder leicht reduzierten Fraktionierung belegt ist. Es gab keine therapieassoziierten Todesfälle.

Klinische Bedeutung
Eine ultrahypofraktionierte Bestrahlung von Prostatakarzinompatienten mit dem Cyberknife-System (3-5 Fraktionen) ist für die Patienten nicht schlechter verträglich als die konventionelle oder leicht reduzierte Fraktionierung, aber mit einem deutlich geringeren Aufwand verbunden. Noch gibt es aus der PACE-B-Studie keine Effektivitätsdaten. Aber eine vergleichbare Verträglichkeit wird als wichtige Voraussetzung dafür gewertet, dass die Therapie überhaupt akzeptiert würde.

Finanzierung: Firma Accuray