Prostata-Ca mit niedrigem Risiko: Mehr Überwachung, weniger Operationen


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

In den USA hat sich in den 5 Jahren seit Einführung neuer Leitlinien das Management von Männern mit lokalisierten Prostatakarzinomen bei niedrigem Risiko deutlich in Richtung aktiver Überwachung bzw. aufmerksamen Zuwartens verschoben.

Hintergrund

Beim Prostatakrebs erhielten in der Vergangenheit in den USA die meisten Patienten mit niedrigem Risiko (T1c – T2a, PSA

Design

Auswertung der Datenbank „Surveillance, Epidemiology, and End Results (SEER) ProstateActive Surveillance/WatchfulWaiting“, die im Gegensatz zu anderen Datenbanken eine qualitätsgesicherte Variable zu aktiver Überwachung/aufmerksamem Zuwarten (AS/WW) enthält. Eingeschlossen wurden alle 164.760 Männer mit bekannter Art des klinischen Managements, die in den Jahren 2010 bis 2015 mit lokalisiertem Prostatakrebs diagnostiziert worden waren. Erfasst wurden die Trends im initialen Management, getrennt nach Patienten mit niedrigem, intermediärem und hohem Risiko.

Hauptergebnisse

  • Im Untersuchungszeitraum erhielten 45,8 % der Männer eine radikale Prostatektomie, 41,5 % eine Strahlentherapie, und 12,7 % wurden mit AS/WW gemanagt. Männer, die im Jahr 2015 ihre Diagnose erhielten, hatten gegenüber jenen aus dem Jahr 2010 seltener ein niedriges Risiko (24,5 % versus 34,2 %), sie waren im Durchschnitt ein Jahr älter (65 vs. 64), und ihr medianer PSA-Wert war mit 6,7 vs. 6,0 ng/mL höher (alle P
  • Männer mit niedrigem Risiko wurden im Jahr 2010 zu 14,5 % mit AS/WW begleitet, ein Anteil, der sich bis zum Jahr 2015 auf 42,1 % annähernd verdreifachte (P
  • Bei Männern mit intermediärem Risiko erhöhte sich der Anteil mit AS/WW von 5,8 auf 9,6 %. Dem standen Rückgänge bei den radikalen Prostatektomien von 51,8 auf 50,6 % (P = 0,004) und bei der Strahlentherapie von 42,4 auf 39,8 % (P
  • Männer mit hohem Risiko wurden nicht signifikant häufiger unter Beobachtung gestellt (1,9 % versus 2,2 %). Sie wurden häufiger radikal operiert (38,0 % -> 42,8 %), erhielten aber seltener einer Strahlentherapie (60,1 % -> 55,0 %).

Klinische Bedeutung

Die Untersuchung zeichnet ein repräsentatives Bild der Veränderungen im Management des Prostatakarzinoms in den USA, enthält allerdings keine Daten zur Hormondeprivation, und sie liefert keine Informationen über mögliche Auswirkungen auf die Überlebenswahrscheinlichkeit und andere klinische Parameter. Dass der Trend zu mehr Zurückhaltung beim lokalisierten Prostatakarzinom auch eine Kehrseite haben könnte, legt eine erst kürzlich veröffentlichte Studie nahe, wonach die radikale Prostatektomie auf lange Sicht eine mediane Lebensverlängerung von 2,3 Jahren bewirkte.

Finanzierung: Prostate Cancer Foundation, American Society for Radiation Oncology, und viele private Spenden & Stiftungen.