Progression einer Krebserkrankung verringert die Lebensqualität erheblich

  • JAMA Network Open

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Mit der Progression einer Krebserkrankung verschlechtert sich die Lebensqualität der Patienten in vielen Bereichen in klinisch bedeutsamer Weise. Besonders betroffen sind – weitgehend unabhängig von der Art der Krebserkrankung - Appetitverlust, körperliche Funktionen und Fatigue.

Hintergrund

Die Autoren der aktuellen Studie kritisieren, dass bei frühen Bewertungen neuer Krebstherapien zwar Mortalität, Morbidität und auch die gesundheitsbedingte Lebensqualität (HRQoL) eingeschlossen würden, nicht aber mit der Progression der Krankheit verbundenen Parameter wie die Zeit bis zur Progression und das progressionsfreie Überleben. Dies stehe im Widerspruch zu den Aussagen von Ärzten und Patienten, welche die negative Assoziation der Krankheitsprogression mit der HRQoL belegen.

Design

Kohortenstudie auf der Basis von prospektiven, nicht-interventionistischen Datenbanken mit Angaben zu Patienten, die in den Jahren zwischen 2011 und 2018 in 203 deutschen Zentren wegen metastasierter Brust-, Pankreas-, Lungen- oder kolorektalen Karzinomen behandelt wurden. Die HRQoL wurde dabei über fünf Jahre mittels 4 validierten Fragebögen regelmäßig erfasst und die Veränderung ab der ersten systemischen Behandlung analysiert.

Ergebnisse

  • Für die Analyse standen mehr als 8000 Fragebögen von 2314 Patienten mit 2562 dokumentierten Krankheitsprogressionen zur Verfügung. Im Einzelnen handelte es sich um:
    • 464 Patientinnen mit Brustkrebs
    • 807 Patienten mit Pankreaskrebs (56,4 % männlich)
    • 341 Patienten mit Lungenkrebs (65,4 % männlich) und
    • 702 Patienten mit Darmkrebs (64,7 % männlich)
  • Die erste Krankheitsprogression war mit einer signifikanten Verschlechterung auf 37 der 45 HRQoL-Skalen assoziiert. Bei 17 dieser Skalen wurde die Verschlechterung als klinisch relevant eingestuft.
  • Unabhängig von der Art der Krebserkrankung waren die am stärksten betroffenen Bereiche: Appetitverlust, körperliche Funktionen und Fatigue (alle P
  • Am stärksten ausgeprägt waren die Verluste bei der Gesamt-HRQoL bei Patienten mit Lungenkrebs (6,7 Punkte) und Pankreaskrebs (5,4 Punkte), weniger stark beim Darmkrebs (3,5 Punkte) und beim Brustkrebs (2,4 Punkte).
  • Kam es zu einer zweiten Progression, so waren die HRQoL-Verluste stärker als bei der ersten und auf 32 der 45 Skalen sowohl statistisch signifikant als auch klinisch relevant.

Bedeutung

Die Studie liefert Evidenz für die naheliegende Vermutung, dass die Progression einer Krebserkrankung für die Patienten mit einer bedeutsamen Verschlechterung der Lebensqualität einhergeht. Dadurch wird die Forderung der Autoren untermauert, zusätzliche Patienten-relevante Endpunkte bei der Evaluation neuer Therapien gegen metastasierte Krebserkrankungen mit aufzunehmen. Die detaillierte quantitative Aufschlüsselung der Daten könnte überdies bei der Priorisierung von Maßnahmen zur Verbesserung der HRQoL hilfreich sein.

Finanzierung: gesetzlicher Vertreter der hier genutzten Tumorregister ist die Firma iOMEDICO; die Tumorregister selbst werden wiederum von einer Vielzahl pharmazeutischer Firmen (mit)finanziert.