Profitieren Herzinsuffiziente mit Sinusrhythmus von niedrig dosiertem ASS?


  • Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Einnahme von ASS ging bei herzinsuffizienten Patienten mit Sinusrhythmus nicht mit einem klinischen Nutzen einher. Der Sinn dieser Therapie ist demzufolge fragwürdig.

Hauptergebnisse

Beim primären kombinierten Endpunkt gab es keinen signifikanten Unterschied:  In der ASS-Gruppe waren 40,5 % der Patienten davon betroffen, in der Kontroll-Gruppe 41,8 %. Dies entspricht nach den Berechnungen der Autoren einer Hazard Ratio (HR) von 0,98 (95% CI: 0,91 bis 1,05).

Keine Unterschiede gab es auch bei der Gesamt-Mortalität, der Schlaganfall-Rate und der Häufigkeit von Klinik-Aufnahmen wegen Blutungen. Beim Herzinfarkt errechneten die Autoren dagegen eine Risiko-Zunahme bei ASS-Einnahme um 34 Prozent (HR: 1,34; 95% CI: 1,08 bis 1,67). Ein leicht erhöhtes Risiko gab es in der ASS-Gruppe auch für erneute Klinik-Aufnahmen. 

Design

An der Studie nahmen 12.277 Patienten mit Herzinsuffizienz -Diagnose zwischen 2007 und 2012 teil. Alle Teilnehmer hatten einen Sinusrhythmus. 3840 von ihnen, die zu Beginn niedrig dosiertes ASS (75 mg/die) einnahmen, wurden im Verhältnis von 1:1 passenden (propensity-matched) herzinsuffizienten Patienten ohne ASS gegenübergestellt. Die Patienten der beiden Gruppe waren im Mittel 78 Jahre alt. Das Geschlechter-Verhältnis war ausgeglichen. 

Primärer Endpunkt war die Kombination von Gesamt-Mortalität, Myokardinfarkt und Schlaganfall. Zu den sekundären Endpunkten zählten Klinikaufnahme wegen Blutungen und wegen Herzinsuffizienz. Finanzierung: keine Angaben

Klinische Bedeutung

Bei herzinsuffizienten Patienten mit Sinusrhythmus wird relativ häufig niedrig dosiertes ASS eingesetzt, und zwar bei Herzinsuffizienten mit oder ohne KHK. Klinischer Nutzen und Sicherheit einer Langzeit-Therapie mit ASS bei diesen Patienten sind nach Aussage der Autoren unzureichend belegt. Die aktuelle Studie verstärkt bestehende Zweifel am Nutzen von ASS bei diesen Patienten. Eine randomisierte und kontrollierte Studie könnte hier Klarheit bringen.