Pro & Contra: Impfpflicht


  • Presseagentur Gesundheit (pag)
  • Pro & Contra
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Eine gesetzliche Impfpflicht ist beschlossene Sache. Das Masernschutzgesetz tritt am 1. März 2020 in Kraft. Die verpflichtende Impfung ist auch unter Ärzten heftig umstritten. Danach sollen alle Kinder beim Eintritt in die Schule oder den Kindergarten geimpft sein. Gleiches gilt für Personen, die in Gemeinschaftseinrichtungen oder medizinischen Einrichtungen tätig sind wie Erzieher, Lehrer, Tagepflegepersonen und medizinisches Personal.

 

 

Pro Impfpflicht:

Dr. Thomas Fischbach © pag

„Die Impfung gegen Masern schützt das eigene Leben und das vieler anderer. Und sie ist sicher. Doch manche Eltern verweigern die Impfung oder -weit häufiger - „verbummeln“ sie. Alle Impf-Aufklärung und -Appelle der letzten Jahre haben in Deutschland nicht dazu geführt, dass mindestens 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sind und damit ein sogenannter Herdenschutz ausgebildet wird, der diejenigen schützt, die zu jung oder etwa wegen eines Immundefekts oder wegen einer Schwangerschaft nicht geimpft werden können. Die Folgen: immer wieder brechen Masern aus, sterben Menschen oder bleiben schwerbehindert zurück.

Wir Kinder- und Jugendärzte begrüßen daher die Impfpflicht. Impfen darf keine individuelle Entscheidung sein. Impfen schützt jeden Einzelnen und die Gemeinschaft. Sie ist ein Gebot der Solidarität. Deshalb sollte auch nicht nur die Masernimpfung Pflicht werden, sondern auch die Impfung gegen Diphtherie, Polio und andere Krankheiten, gegen die die STIKO Impfungen empfiehlt. Ja, die Impfpflicht ist ein staatlicher Eingriff in die individuelle Freiheit. Diese ist aber auch dahin, wenn ein ungeimpftes Kind lebensgefährlich erkrankt oder Behinderungen davonträgt.“

Dr. Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e. V.

 

 

Contra Impfpflicht:

Dr. Steffen Rabe © privat

„Deutschland braucht keine Impfpflicht – mehr als 97 Prozent aller Eltern lassen ihre Kinder freiwillig gegen Masern impfen, diese Zahl ist seit Jahren stabil hoch. Impflücken gibt es in Deutschland vor allem bei Erwachsenen, die meist gar nicht wissen, dass die Masernimpfung für sie wichtig ist; hier braucht es vor allem bessere Impfberatung und bessere Impfangebote – sagen alle wirklichen Experten in Deutschland. Eine Impfpflicht ist unwirksam – die meisten Länder in Europa mit einer Masernimpfpflicht haben niedrigere Impfquoten und mehr Masernfälle, die meisten Länder, die die Masern eliminiert haben, haben niedrigere Impfquoten als Deutschland. Das Problem liegt in Deutschland nicht bei einer zu geringen Impfbereitschaft, sondern bei viel zu schlechter Erfassung der Masernfälle – sagen die Fachleute des Robert Koch-Instituts und sagt auch die WHO. Eine Masernimpfpflicht ist verfassungswidrig – sie verletzt zentrale Grundrechte unserer Verfassung wie das auf körperliche Unversehrtheit oder das Elternrecht. Bei den niedrigen Masernfallzahlen und den hohen Impfquoten in Deutschland ist dies ungerechtfertigt und verstößt deshalb gegen das Grundgesetz – sagen namhafte Verfassungsrechtler.“

Dr. Steffen Rabe, Arzt für Kinder- und Jugendmedizin und Sprecher von Ärzte für individuelle Impfentscheidung e. V.