Private Krankenversicherung hat immer weniger Mitglieder

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Köln/Berlin (pag) – Im sechsten Jahr infolge verzeichnet die Private Krankenversicherung (PKV) einen Rückgang bei ihren Mitgliederzahlen. 19.300 weniger Versicherte (-0,2 Prozent) zählt sie 2017 gegenüber dem Vorjahr und kommt damit auf 8,75 Millionen vollversicherte Personen. Das geht aus dem kürzlich veröffentlichten Rechenschaftsbericht des Verbandes der privaten Krankenversicherung hervor. 

Der Rückgang lässt sich auch in den Wanderungsbewegungen zwischen GKV und PKV ablesen, der ein negatives Wanderungssaldo auf der PKV-Seite aufzeigt. Während 2017 129.300 Versicherte von der GKV zur PKV wechselten (+0,2 Prozent), gab es 133.800 (+2,5 Prozent) Austritte aus der PKV – Personen, die sich für die GKV entschieden. Der sich daraus ergebene Saldo von 4.500 Personen entspricht einer Verdreifachung des Vorjahreswertes. 

Die Aktiengesellschaften haben mit 39.600 Vollversicherten das größte Minus zu verzeichnen, die Gegenseitigkeitsvereine erweitern hingegen ihren Bestand an Versicherten. Wachstumsstärkster Anbieter ist der Debeka Krankenversicherungs-Verein a.G. Den größten Verlust an Vollversicherten verzeichnet die DKV Deutsche Krankenversicherung AG, Central Krankenversicherung AG, Bayerische Beamtenkrankenkasse AG, die Allianz Private Krankenversicherungs-AG sowie die Gothaer Krankenversicherung AG. Einen leicht positiven Trend konstatiert der Verband bei den Bruttoneuzugängen, die bei 280.500 liegen und alle Personen berücksichtigen, die eine Krankheits-Vollversicherung neu abgeschlossen haben. Bei wiederholt angestiegener Versicherungspflicht-Grenze bedeutet das eine 0,1-prozentige Steigerung. Der leichte Aufwärtstrend bleibt damit konstant. 

Das PKV-System sei überholt, teilt SPD-Fraktionsvize Prof. Karl Lauterbach kürzlich vor Journalisten in Berlin mit. „Grundsätzlich ist das gesamte Modell der privaten Krankenversicherung aus meiner Sicht nicht wirklich zukunftsfähig, weil die PKV strukturelle Probleme hat, die keiner Lösung zugeführt werden“. Probleme seien die zu erwartenden niedrigen Renditen, die demographisch bedingte stark veränderte Zusammensetzung der Versichertenstruktur und die ungebremste Ausgabensteigerung mit zu erwartenden stetig stark steigenden Prämien. Langfristig werde die PKV nur für Beamte attraktiv bleiben, da 70 Prozent der Kosten vom Steuerzahler beglichen, aber nicht von den Versicherten selbst gezahlt werden, so Lauterbach. Junge Leute und kleinere Unternehmer seien immer weniger an der PKV interessiert. Auch mache die Politik die GKV attraktiver für diese Bevölkerungsgruppen – unter anderem durch das Versichertenentlastungsgesetz.