Primär sklerosierende Cholangitis: Der endoskopische Befund ist entscheidend für die optimale Therapie

  • Gut

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Eine große deutsche Langzeitstudie belegt: Bei der primär sklerosierenden Cholangitis mit hochgradigen Gallenwegsstenosen ist eine endoskopisch-interventionelle Therapie, die sich am endoskopischen Befund orientiert, besser geeignet, ein terminales Leberversagen zu vermeiden, als eine Aufweitung der Gallenwegsstenosen nur bei klinischer Symptomatik oder bei schlechten Labor-Leberwerten. Das Überleben ohne Lebertransplantation verlängert sich beim endoskopie-geleiteten Vorgehen gegenüber dem symptomorientierten um durchschnittlich 6-7 Jahre.

Hintergrund

Die primär sklerotisierende Cholangitis (PSC) ist eine chronische Lebererkrankung mit Entzündungen, Vernarbungen und Zerstörungen der intra- und/oder extrahepatischen Gallenwege, und sie hat häufig eine autoimmune Komponente. Typische Symptome sind Schmerzen im rechten Oberbauch, Ikterus, Pruritus und Müdigkeit. Bei einem Teil der Patienten verläuft die PSC progredient bis hin zum terminalen Leberversagen. Diese Patienten benötigen eine neue Leber. Bislang gab es für die Behandlung einer PSC mit dominanten Stenosen keinen Therapiestandard. Eine über 30 Jahre laufende Langzeitstudie unter Federführung der Universitätsklinik Heidelberg hat den Nutzen zwischen der - häufig empfohlenen und leitliniengemäßen - symptomorientierten Aufweitung dominanter Stenosen verglichen mit Dilatationen, die auf Basis von Stenosebefunden während der jährlichen endoskopischen Kontrollen erfolgt sind, unabhängig von Symptomen und von Laborwerten.

Design

  • Rekrutierung der Teilnehmer im Zeitraum 1987-2017 und Nachbeobachtung bis 2017
  • Retrospektive Analyse auf Basis von 286 PSC-Patienten
  • Diagnostik und endoskopisch-interventionelle Therapie über retrograde Cholangiographie (ERCP)
  • jährliche ERCP bei allen Teilnehmern
  • Intervention: Angebot einer Ballondilatation von dominanten Stenosen,
    • wenn die Stenosen endoskopisch diagnostiziert wurden oder
    • alternativ eine Ballondilatation nur dann, wenn es Symptome wie Pruritus, Ikterus oder eine akute bakterielle Cholangitis gab
  • Definition dominanter Stenosen: Verengungen auf

Hauptergebnisse

133 Patienten erhielten eine Ballondilatation dominanter Stenosen bei entsprechender Symptomatik (on demand) und 153 unabhängig von der Symptomatik bei entsprechendem endoskopischen Befund. Primärer Endpunkt war das Überleben ohne Transplantation. Nach einem medianen Follow-up von 9,9 Jahren benötigten 49 % in der endoskopie-geleiteten Gruppe ein neues Organ, aber 70,7 % in der on-demand-Gruppe. Der Unterschied war mit einem p i kant. Das Überleben ohne Transplantat war um durchschnittlich 6,7 Jahre länger in der Gruppe mit endoskopie-geleiteter Dilatation im Vergleich zur Ballondilatation on demand (17,8 vs. 11,1 Jahre; p

Klinische Bedeutung

Die Forscher empfehlen, PSC-Patienten regelmäßig zu endoskopieren und Stenosen, die während einer solchen Diagnostik festgestellt werden, auch direkt aufzuweiten. Bei diesem Vorgehen erhielten die Patienten der Studie durchschnittlich 5-6 Ballondilatationen im Vergleich zu 1-2 Dilatationen bei der Strategie „on demand“. Trotz der häufigeren endoskopischen Untersuchungen war die Zahl der Komplikationen in beiden Gruppen vergleichbar niedrig, der klinische Nutzen aber deutlich größer.

Finanzierung: Deutsche Forschungsgemeinschaft