Praxisverändernde und neue Konzepte in der Radioonkologie

  • Petra Kittner
  • Clinical Summary
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Da sich die Strahlentherapie in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt hat, sind viele praxisverändernde Daten und neue Konzepte aus randomisierten klinischen Studien (RCTs) hervorgegangen und haben zu veränderten Therapiestandards beigetragen, so ein im European Journal of Cancer veröffentlichter Review.

Der Review zeigt, dass Radioimmuntherapie, pro-apoptotische Wirkstoffe und Nanopartikel das therapeutische Verhältnis verbessert haben; die stereotaktische Körperbestrahlung (SBRT) hat eine Intensivierung der Behandlung ermöglicht; die personalisierte Strahlentherapie hat mit Hilfe von bildgestützter Anleitung dazu beigetragen, Behandlungen zu individualisieren; und die Patientenzufriedenheit ist heute ein wichtiger Endpunkt.

Dr. med. Charles B. Simone II, der nicht an der aktuellen Arbeit beteiligt war, wies auf "eine Vielzahl von Studien hin, in denen die Hypofraktionierung in der kurativen Situation und die SBRT in der kurativen und poly- und oligometastatischen Situation untersucht wurden, was zu mehr Patientenkomfort bzw. Dosisintensivierung geführt hat". Er wies auch darauf hin, dass die ersten Studien zur personalisierten Strahlentherapie, bei denen bildgebende Verfahren und biologische Marker zum Einsatz kommen, "das große Potenzial haben, die Behandlung zu individualisieren und die Ergebnisse für die Patienten zu verbessern."

Ein sich entwickelndes Gebiet

In dem Review identifizierten Sophie Espenel, MD, von der Abteilung für Strahlenonkologie, Gustave Roussy Cancer Campus, Villejuif, Frankreich, und Kollegen 1.347 RCTs zur Strahlentherapie, die zwischen Januar 2018 und Dezember 2021 durchgeführt wurden. Davon wählten die Autoren 110 große RCTs der Phase 2 oder 3 aus, die Daten zu praxisverändernden oder neuen Konzepten enthielten.

Insgesamt zeigten die Studien eine "große Dynamik" in der strahlenonkologischen Forschung und deckten ein breites Spektrum von Strahlentherapieverfahren ab, so die Autoren.

Ein zentraler Bereich der Forschung konzentriert sich auf die Radioimmuntherapie. Eine Phase 2-Studie im präoperativen Setting zeigte, dass die gleichzeitige SBRT (24 Gy in 8 Fraktionen) in Kombination mit Durvalumab die Rate des pathologischen Gesamtansprechens bei Patienten mit Lungenkrebs im Frühstadium gegenüber alleinigem Durvalumab erhöhte (53,3% vs. 6,7%; p<0,01).

Obwohl sie vielversprechend waren, zeigten nicht alle Studien, in denen die Strategie einer gleichzeitigen Chemoradiotherapie und Immuntherapie untersucht wurde, positive Ergebnisse. Darüber hinaus haben Studien in der metastasierten Situation widersprüchliche Ergebnisse gezeigt.

Ein weiteres Thema von Interesse sind neuere Radiosensibilisatoren. In einer Phase 2-Studie wurde erstmals Xevinapant in Verbindung mit einer hochdosierten Standard-Chemoradiotherapie mit Cisplatin bei Patienten mit risikoreichen lokoregional fortgeschrittenen Plattenepithelkarzinomen im Kopf-/Hals-Bereich untersucht. In dieser Studie wurde in der Xevinapant-Gruppe im Vergleich zur Standardtherapie nach 18 Monaten eine höhere lokoregionale Kontrollrate festgestellt (54% vs. 33%). Die Toxizitätsprofile waren ähnlich.

Die ultrahypofraktionierte Strahlentherapie ist auf dem Vormarsch. Sie ermöglicht es den Patienten, gezieltere Behandlungen mit niedrigeren Dosen in kürzerer Zeit zu erhalten. Die FAST-Forward-Studie hat gezeigt, dass ein stärker hypofraktionierter adjuvanter Ansatz für die gesamte Brust mit 26 Gy in fünf Fraktionen über eine Woche ebenso wirksam und sicher ist wie 40 Gy in 15 Fraktionen über drei Wochen.

Die Autoren wiesen auch darauf hin, dass fortschrittliche Behandlungsmethoden wie die intensitätsmodulierte Strahlentherapie, die stereotaktische Radiochirurgie und die Protonentherapie das Potenzial haben, die von den Patienten gemeldeten unerwünschten Ereignisse und die klinischen Ergebnisse zu verbessern.

Die Personalisierung der Strahlentherapie ist ebenfalls ein neuer Bereich, der maßgeschneiderte Behandlungen mit besseren Ergebnissen ermöglichen könnte. Eine Studie hat gezeigt, dass die PSMA-PET-CT (Prostataspezifisches-Membranantigen-Positronenemissionstomographie-Computertomographie) ein genaueres Staging von Prostatakrebs ermöglicht als die herkömmliche CT. Dieser Ansatz war zudem kostengünstiger und führte zu einer geringeren Strahlenbelastung. "Die PMSA-PET-CT ist inzwischen zum Standard für die Stadieneinteilung bei Prostatakrebs geworden", erklären die Autoren.

Da die Patienten länger überleben, werden Lebensqualität und Patientenzufriedenheit zunehmend zu Endpunkten in RCTs, so die Autoren.

Insgesamt zeigen diese Daten "eine große Dynamik der strahlenonkologischen Forschung bei den meisten Primärtumorarten", so die Autoren abschließend.

Dieser Review wurde nicht extern finanziert. Die Autoren haben keine relevanten finanziellen Beziehungen offengelegt.