Präsumptive Antibiotika bringen bei COVID-19 nur wenig Nutzen

  • Buetti N & al.
  • J Infect
  • 05.06.2020

  • von Liz Scherer
  • Clinical Essentials
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Erkenntnis

  • Die Antibiotikagabe vor der Aufnahme auf die Intensivstation (ITS) scheint bei Patienten mit COVID-19 keine Auswirkung auf eine präsumptive bakterielle Superinfektion oder die Mortalität zu haben.
  • Es sind groß angelegte, multizentrische Studien erforderlich.

Warum das wichtig ist

  • Der Mangel an Daten über bakterielle Koinfektionen bei COVID-19-Patienten deutet darauf hin, dass eine präsumptive Anwendung von Breitbandantimikrobiotika möglicherweise nur zu einer Antibiotikaresistenz beiträgt, jedoch keinen echten klinischen Nutzen bringt.

Wesentliche Ergebnisse

  • 48 ITS-Patienten, medianes Alter: 66,5 Jahre (Interquartilbereich [IQR]: 60–71).
  • 40 % (19) erhielten vor der Einweisung Antibiotika, am häufigsten Amoxicillin/Clavulanat (66 %, 13).
  • Die Patienten, die Antibiotika erhielten, waren häufiger Frauen (32 % mit Antibiotika vs. 17 % ohne) und erhielten gleichzeitig verabreichte Antiviralia (68 % mit vs. 48 % ohne).
  • Die Mortalitätsraten in den Gruppen waren ähnlich (26 % mit Antibiotika vs. 24 % ohne; p = 0,86).
  • Es wurde kein Unterschied bezüglich Infektionen beobachtet, die mit der medizinischen Versorgung im Zusammenhang standen (mittlere Infektionszahl/Patient: IQR: 1 [1–2] für beide Gruppen; p = 0,98).
  • Häufigste Infektionen: Harnwegsinfektionen (10,5 % mit vs. 27,6 % ohne Antibiotika), Candidämie (15,8 % mit vs. 6,9 % ohne).

Studiendesign

  • Retrospektive Analyse der Auswirkung einer frühen Antibiotikatherapie auf Mortalität und verzögerte, schwere, mit der medizinischen Versorgung assoziierte Infektionen bei intubierten Patienten mit COVID-19 in der Schweiz.
  • Finanzierung: Schweizerischer Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung.

Einschränkungen

  • Retrospektiv. 
  • Kleine Fallzahl.