Prävention von Herzgefäß- und Krebs-Krankheiten: Fischöl-Präparat nicht besser als Placebo


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

In der Primärprävention von Herzgefäß-Krankheten und invasiven Malignomen hat das geprüfte Fischöl-Präparat (1000 mg/die) bei den primären Endpunkten nicht besser abgeschnitten als das Placebo-Präparat.

Hintergrund

Mehrere Beobachtungsstudien haben einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Fischöl-Kapseln und einer verminderten Rate an kardiovaskulären Ereignissen gezeigt. Kontrollierte Studien und Metaanalysen haben hingegen keine Belege dafür geliefert, dass Omega-3-Fettsäuren tatsächlich vor Herzinfarkten oder Schlaganfällen schützen. In der kürzlich publizierten ASCEND-Studie etwa kam heraus, dass Patienten mit Diabetes mellitus, aber ohne kardiovaskuläre Erkrankung durch Omega-3-Fettsäuren nicht besser vor kardiovaskulären Ereignissen geschützt wurden als durch Placebo (Olivenöl). Aufgrund der unklaren Datenlage und der insbesondere in den USA großen Beliebtheit von Supplementen mit Omega-3-Fettsäuren wurde in den USA die Studie VITAL gestartet, in der außer dem kardiovaskulären und onkologischen Nutzen von Vitamin D3 auch der Nutzen eines Fischöl-Präparates untersucht wurde. Die Ergebnisse liegen in zwei Publikationen vor, eine Veröffentlichung zum Vitamin D und eine zum Omega-3-Fettsäuren-Präparat. 

Design

An der kontrollierten US-Studie VITAL nahmen 25.871 Personen teil, wobei die Männer mindestens 50 Jahre alt waren, die Frauen wenigstens 55 Jahre. Die Patienten erhielten entweder Placebo oder täglich ein Gramm Omega-3-Fettsäuren (1000 mg Omacor: Omega-3-Säurenethylester 90 = Icosapentethyl, 460 mg, und Doconexentethyl, 380 mg).  Primäre Endpunkte waren invasive Tumoren und schwere kardiovaskuläre Ereignisse (Herzinfarkt, Schlaganfall, kardiovaskulär bedingter Tod). Zu den sekundären Endpunkten zählten spezifische Tumoren (Brust-, Prostata- und kolorektales Karzinom) sowie kardiovaskuläre Ereignisse. Die Beobachtungszeit betrug im Mittel 5,3, Jahre.

Hauptergebnisse

  • Patienten mit dem Fischöl-Präparat schnitten beim primären kardiovaskulären Endpunkt nicht besser ab als Patienten der Placebo-Gruppe; das Risiko-Verhältnis betrug 0,92 (HR: 0,92; 95% CI: 0,80 - 1,06; p = 0,24).
  • Auch beim Endpunkt invasive Tumoren gab es „Gleichstand“  (HR:1,03; 95% CI: 0,93 - 1,13; p = 0,56). 
  • Allein beim sekundären Endpunkt Myokardinfarkt war das Verum-Präparat dem Placebo-Präparat überlegen (HR: 0,72; 95% CI: 0,59 - 0,90). 
  • Eine erhöhte Rate an schweren Nebenwirkungen und Blutungen unter dem Fischöl-Präparat gab es nicht.

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse der VITAL-Studie entsprechen denen mehrer aktueller Studien- und Metaanalysen. Sie sprechen demnach nicht für eine Primärprävention mit Omega-3-Fettsäuren. Allerdings kommt es auch hier wahrscheinlich auf die Dosierung an, außerdem auf den exakten Inhaltsstoff eines solchen Präparates. Denn zur kardiovaskulären Prävention mit einem Omega-3-Fettsäuren-Präparat gibt es auch eine aktuelle „positive“ Botschaft: Wie bereits berichtet zeigte die vom Unternehmen Amarin finanzierte Studie REDUCE IT bei Patienten mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko und zu hohen Triglyzerid-Werten einen kardiovaskulären Nutzen eines hoch-dosierten und gereinigten Präparates (Icosapentethyl, vier Gramm täglich). Die ersten Reaktionen auf die Studie reichten von Skepsis über Erstaunen bis hin zu Enthusiasmus. Die Diskussionen über die Daten und ihre Interpretation sind allerdings noch im Gange. Für eine definitive Bewertung dürfte es daher noch zu früh sein. 

Finanzierung: National Institutes of Health