Prävention hitzebedingter Gesundheitsschäden: Katastrophenhelfer vielleicht eine Option


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernaussagen

Bei Hitzewellen sind besonders alte, allein lebende Menschen gefährdet. Für eine bessere Prävention gesundheitlicher Komplikationen könnte die Einbindung des in Deutschland gut entwickelten ehrenamtlichen Katastrophenschutzes hilfreich sein.

Eine weltweite Bedrohung

Große Hitze, etwa aufgrund der globalen Erwärmung, gilt als wachsende weltweite Bedrohung; ihr sei kaum zu entgehen, warnten vor zwei Jahren Forscher um Dr. Camilo Mora (Universität von Hawaii in Honolulu) im Fachmagazin „Nature Climate Change". Welche Folgen extreme Hitze haben kann, ist im „Jahrhundert-Sommer“ 2003 deutlich geworden: In Europa seien mehr als 50.000 Menschen und in Deutschland etwa 5000 Menschen zusätzlich an den Folgen der Hitzebelastung gestorben, berichteten Dr. Maxie Bunz und Dr. Hans-Guido Mücke vom Umweltbundesamt in Berlin („Bundesgesundheitsblatt“).

Hauptproblem: die ambulante Versorgung 

Gefährdet sind vor allem für ältere Menschen. Da in Kliniken und Pflegeheimen von ausreichendem Fachwissen und einer kontinuierlichen Betreuung der alten Patienten und Menschen ausgegangen werden könne, sei das Hauptproblem die ambulante Versorgung von allein lebenden, hilfsbedürftigen älteren Menschen durch Hausärzte und ambulante Pflegekräfte, schreiben nun der Stuttgarter Geriater Dr. Ulrich Lindemann und Wissenschaftler der Universität Heidelberg („Bundesgesundheitsblatt“ ).

Ein Hinderungsgrund: mangelnde Ressourcen

Eine so genannte „aufsuchende Versorgung“ oder aktive Kontaktaufnahme durch Hausärzte und Pflegekräfte an besonders heißen Tagen sei jedoch aufgrund unzureichender personeller Ressourcen nicht möglich. Ein weiterer Hinderungsgrund sei, dass viele bei hitzebedingten Hausbesuchen durchgeführte Maßnahmen „abrechnungstechnisch nicht abbildbar sind“. Die letzten Jahre hätten in Deutschland gezeigt, dass trotz vorliegender Hitzeaktionspläne und fachlicher Empfehlungen die Versorgung älterer, allein lebender und hilfsbedürftiger Menschen bei Hitze durch Hausärzte, ambulante Pflegekräfte wie auch durch Familie, Freunde und Nachbarn nicht in ausreichendem Maße gewährleistet sei. Es fehle eben an Helfern, die bei extremer Hitze die Hochrisiko-Patienten proaktiv versorgen könnten. Um die Folgen einer Hitzewelle zu verhindern, müssten daher andere Wege beschritten werden. 

Ein möglicher neuer Weg

Ein Lösungsansatz könnte laut Lindemann und seinen Mitautoren die Einbindung des in Deutschland gut entwickelten ehrenamtlichen Katastrophenschutzes sein. Hier gebe es bereits umfangreiche ehrenamtliche Hilfsstrukturen für andere Katastrophenszenarien. Durch Koordination mit dem Deutschen Wetterdienst könnten die Helfer aktiviert werden. Außerdem könnten die Helfer selbst Angehörige, Freunde und Nachbarn aktivieren. Für die spezifische Schulung und Weiterbildung der Helfer könnten bestehende Internettools genutzt werden, die für medizinische Fachangestellte und Pflegekräfte entwickelt worden seien. Eine wichtige Voraussetzung wäre ein Register für Hitzerisiko-Patienten. Die mit diesem Lösungsansatz verbundenen rechtlichen und organisatorischen Fragen müssten auf Bundes- bzw. Länderebene geklärt werden.

Finanzierung: keine Angaben