Präsidentschaftswahlen: Hohes Alter von Biden und Co. kein Grund zur Sorge


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Smalltalk
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Kernbotschaften

Man kann einige Gründe nennen, Donald Trump im kommenden Jahr nicht wieder zu wählen. Sein fortgeschrittenes Alter -  Trump ist 73 - eignet sich dafür nicht. Hohes Alter spreche nicht dagegen, ein so hohes Amt zu übernehmen, schreiben die Autoren einer Studie, in der die Langlebigkeit und die Überlebenswahrscheinlichkeit der Kandidaten für dieses höchste Amt der USA untersucht wurden. 

Mit dem Alter schwinden die körperlichen und auch geistigen Fähigkeiten, bei manchen Menschen relativ schnell, bei anderen recht langsam; insbesondere die geistigen Fähigkeiten können lange erhalten bleiben, so dass auch recht alte Menschen noch verantwortungsvolle Tätigkeiten ausüben können, wie unter anderen Konrad Adenauer und Queen Elisabeth zeigen. Dennoch ist die Frage berechtigt, ob über 70-jährige Politiker und Politikerinnen noch in der Lage sind, ein auch physisch anspruchsvolles Amt wie das des US-Präsidenten bzw. der US-Präsidentin über die vorgesehen Zeit von vier oder gar acht Jahren auszuüben. 

Mehrere Kandidaten bereits über 70

Immerhin vier der führenden Kandidaten beider Parteien sind bereits in den Siebzigern: die US-Senatoren Joe Biden (76), Bernie Sanders (78) und Elizabeth Warren (70) sowie Donald Trump (73). Anders als in Deutschland sind Diskussionen in den USA über die Gesundheit von Spitzenpolitikern und des Präsidenten nicht ungewöhnlich, medizinische Diagnosen auch keine reine Privatsache. Spitzenpolitiker scheuen sich nicht einmal, in der politischen Auseinandersetzung tatsächliche oder angebliche gesundheitliche Probleme ihrer Konkurrenten als Argumente einzusetzen. Trump etwa nennt Joe Biden bevorzugt „Sleepy Joe“. Der Hintergrund: Biden musste sich vor rund 30 Jahren wegen zwei Hirn-Aneurysmen operieren lassen. Es sei damals alles gut gegangen, Biden habe keine bleibenden Schäden erlitten, so der Neurochirurg Professor Neal Kassell, der ihn operiert hatte. Aber das hält natürlich Trump nicht davon ab, Biden weiter als „verlangsamt“ zu diffamieren. 

So genannte „Super-Agers“

Anhand von nationalen Daten haben kürzlich Professor S. Jay Olshansky, Wissenschaftler an der Universität von Illinois und Vorstandsmitglied der American Federation for Ageing Research (AFAR), und seine Kollegen die wahrscheinliche Lebenserwartung und gesundheitliche Entwicklung jener US-Politiker und Politikerinnen berechnet, die sich 2020 um die US-Präsidentschaft bewerben wollen. 

Das Ergebnis in aller Kürze: Die wissenschaftlich fundierten Schätzungen der Studie, die als „absichtlich konservativ" bezeichnet werden, legen nahe, dass nahezu alle Kandidaten in der Lage sind, gesund und ohne Behinderung nicht nur eine erste, sondern auch eine zweite Amtszeit  zu überstehen.

Den Berechnungen der Wissenschaftler zufolge hat zum Beispiel Sanders eine Chance von knapp 77 Prozent, die ersten vier Jahre der Präsidentschaft zu überleben. Bei Biden beträgt die Vier-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit fast 80 Prozent, Trump kommt auf knapp 85 und Warren sogar auf fast 92 Prozent. Möglicherweise, so Olshansky, seien die Chancen sogar noch größer, da es sich bei den Kandidaten um Mitglieder einer sehr privilegierten Bevölkerungsgruppe handele, die in der Regel gesünder seien als der gleichaltrige Durchschnitts-Bürger in den USA. Manche Mediziner in den USA nennen diese Kandidaten auch „Super-Agers“.

Olshansky abschließend: „Diese Studie liefert zum ersten Mal wissenschaftlich fundierte Berechnungen, die zeigen, dass das Alter eines Kandidaten überhaupt nicht berücksichtigt werden sollte. Alter ist nur eine Zahl.“ 

„Die Frage sollte nicht lauten: „Wie alt ist zu alt, sondern wie gesund ist der Kandidat, unabhängig von seinem Alter?“, kommentierte Stephanie Lederman, Geschäftsführerin der AFAR (American Federation for Ageing Research), einer gemeinnützigen Organisation, die biomedizinische Forschung fördert.