Prädiabetes verdoppelt das Risiko für Lebertumoren und erhöht die Gesamtsterblichkeit

  • Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bereits ein Prädiabetes kann schwere Komplikationen an verschiedenen Organsystemen hervorrufen. Abnorme Nüchternglukosewerte oder Störungen der Glukosetoleranz sind mit einer Erhöhung der Gesamtsterblichkeit um bis zu 25 % assoziiert. Außerdem steigen bei Prädiabetes das Mortalitätsrisiko aus kardialer Ursache (+20 bis +30 %) und die Inzidenzen für Schlaganfall, chronische Niereninsuffizienz, Malignome und Demenz. Zu Leberkarzinomen ist die Assoziation besonders ausgeprägt: Das Risiko für diesen Tumor verdoppelt sich bei Prädiabetes. Präventivmaßnahmen in der Hausarztpraxis sollten daher nicht erst bei manifestem Diabetes ansetzen, sondern bereits in Vorstadien.

Hintergrund

Prädiabetes ist ein Vorstadium des Diabetes mellitus. Es kann sich daraus ein Typ-2-Diabetes (DM2) entwickeln. Das Vorstadium kann aber auch lebenslang persistieren, ohne jemals in einen DM2 überzugehen oder sich bei konsequenter Lebensstiländerung auch wieder in einen euglykämischen Zustand zurückentwickeln. Die Prävalenz des Prädiabetes wird für Bundesbürger im Alter von 35 bis 74 Jahren auf 26,1 % geschätzt (1). Schon bislang war bekannt, dass Prädiabetes das kardiovaskuläre Risiko erhöht und auch das für einen Schlaganfall oder für chronische Nierenerkrankungen. Allerdings fehlten Daten größerer Studien, auf deren Basis sich die Risiken quantifizieren ließen. Diese Lücke füllt eine große Metaanalyse Dies belegen die Daten einer großen Metaanalyse unter Federführung des Deutschen Diabetes-Zentrums in Düsseldorf (2).

Design

  • Studienform: Systematischer Review von Metaanalysen zur Assoziation zwischen Prädiabetes und Sterblichkeit und Inzidenzen für verschiedene diabetesbezogene Erkrankungen
  • Einschlusskriterien: Definition des Prädiabetes nach internationalen Kriterien
    • durch abnorme Nüchternglukose (Impaired Fasting Glucose, IFG: 100-125 mg/dl bzw. 5,6-6,9 mmol/l
    • gestörte Glukosetoleranz (Impaired Glucose Tolerance, IGT: 2-h-Blutzuckerwert im oralem Glukosetoleranztest zwischen 140-199 mg/dl bzw. 7,8-11,0 mmol/l oder
    • HbA1c 5,7-6,4 % bzw. 39-47 mmol/mol

Hauptergebnisse

  • 95 Metaanalysen aus 16 Publikationen wurden berücksichtigt.
  • Prädiabetes war mit einer Erhöhung der Gesamtsterblichkeit zwischen 8 und 25 % assoziiert. Die Assoziation war am stärksten bei einer gestörten Glukosetoleranz und am wenigsten ausgeprägt bei erhöhten HbA1c-Werten.
  • Für kardiovaskuläre Endpunkte ergab sich eine Risikoerhöhung durch Prädiabetes zwischen 20 und 30 % und für mikrovaskuläre Veränderungen und chronische Niereninsuffizienz von 10 und 25 %.
  • Die Krebsinzidenz unter Menschen mit Prädiabetes war im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung um 11 bis 25 % erhöht.
  • Für hepatozelluläre Karzinome lag die Risikoerhöhung zwischen 23 und 44 % und für alle Arten von Lebertumoren inklusive den cholangiozellulären Karzinomen sogar bei 101 %, also dem Doppelten.
  • Das Risiko für Demenzen stieg bei Prädiabetes um 18 bis 47 % an.

Klinische Bedeutung

„Bereits im Vorstadium eines Diabetes kann es zu Komplikationen kommen, die unbehandelt schwerwiegende Folgen haben können“, erläutert Professor Robert Wagner, Leitender Oberarzt an der Klinik für Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Düsseldorf und Leiter des Klinischen Studienzentrums am Deutschen Diabetes Zentrum (3). Ebenso wie beim Diabetes gebe es auch beim Prädiabetes verschiedene Subtypen, die Stoffwechselveränderungen seien heterogen.

Hausärzte sollten die Risiken durch Prädiabetes im Blick haben und die Patientinnen und Patienten bezüglich einer Prävention beraten.

Finanzierung: öffentliche Mittel