Poststationäre Prophylaxe: Oraler Gerinnungshemmer kein Schutz vor tödlichen Embolien


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Der orale Gerinnungshemmer Rivaroxaban war in der placebo-kontrollierten Studie MARINER zur 45-tägigen poststationären Thromboembolie-Prophylaxe beim primären Wirksamkeits-Endpunkt aus symptomatischen venösen Thromboembolien oder tödlichen Embolien nicht wirksamer als Placebo.

Hintergrund

Patienten, die wegen einer schweren Erkrankung stationär in einem Krankenhaus behandelt werden, haben auch nach der Entlassung aus dem Krankenhaus noch ein erhöhtes Risio für venöse Thromboembolien. Über den Nutzen einer erweiterten Thromboseprophylaxe wird allerdings kontrovers diskutiert.

Design

Randomisierte, placebo-kontrollierte Doppelblind-Studie mit Patienten, deren Risiko für venöse Thromboembolien als hoch galt (beurteilt anhand eines modifizierten IMPROVE-Score-Wertes (International Medical Prevention Registry on Venous Thromboembolism) von mindestens 4 (Score reicht von 0 bis 10). Die Patienten erhielten nach der Klinik-Entlassung für 45 Tage täglich entweder ein Placebo oder Rivaroxaban (10 mg oder weniger bei Niereninsuffizienz). Primärer Wirksamkeits-Endpunkt war eine symptomatische venöse Thromboembolie oder Tod infolge einer venösen Thrombombolie. Primärer Sicherheits-Endpunkt waren schwere Blutungen. Ausgewertet wurden Daten von 12.019 Patienten (Intention-to-treat-Analyse).

Hauptergebnisse

  • Die Häufigkeit eines primären Endpunkt-Ereignisses betrug in der Rivaroxaban-Gruppe 0,83 Prozent (50/6007 Patienten) und in der Placebo-Gruppe 1,10 Prozent (66/6012 Patienten). Der Unterschied war statistisch nicht signifikant (Hazard Ratio: 0,76; 95% CI: 0,52 - 1,09; P=0,14). 
  • Beim zuvor festgelegten sekundären Wirksamkeits-Endpunkt nicht-tödliche symptomatische Thromboembolien schnitten die Patienten mit dem oralen Gerinnungshemmer besser ab als die Patienten mit dem Scheinpräparat: Die Rate betrug in der Rivaroxaban-Gruppe 0,18 Prozent, in der Placebo-Gruppe 0,42 Prozent (Hazard Ratio: 0,44; 95% CI: 0,22 bis 0,89).
  • Beim sekundären Endpunkt tödliche venöse Thromboembolien schnitt Rivaroxaban nicht besser ab (0,72 Prozent versus 0,77 Prozent; HR: 0,93; CI: 0,62 –1,42).
  • Schwere Blutungen gab es in der Rivaroxaban-Gruppe bei 0,28 Prozent der Patienten, in der Placebo-Gruppe bei 0,15 Prozent (HR: 1,88; CI: 0,84 - 4,23).

Um eine symptomatische venöse Thromboembolie zu verhindern, müssten nach den Berechnungen der Autoren 430 Patienten Rivaroxaban erhalten. Werden 856 Patienten mit dem Gerinnungshemmer behandelt, kommt es zu einer schweren Blutung.

Klinische Bedeutung

Die Diskussion um den Nutzen einer verlängerten Thromboembolie-Prophylaxe mit einem oralen Gerinnungshemmer wird sicher weitergehen. Denn Rivaroxaban hat zwar beim Parameter symptomatische nicht-tödliche Embolien überlegen abgeschnitten. Das Nutzen-Risiko-Verhältnis erwies sich hier als positiv. Allerdings handelte es sich nur um einen der beiden sekundären Endpunkte; beim zweiten Endpunkt tödliche Embolien war das Verum-Präparat nicht besser als das Placebo-Präparat. Außerdem: Vor allem beim primären kombinierten Endpunkt hat der Faktor-Xa-Hemmer die Erwartungen nicht erfüllt. 

Finanzierung: Janssen Research and Development