Postoperative Wundinfektionen werden bei höheren Außentemperaturen in Deutschland häufiger

  • Dtsch Arztebl Int

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Das Risiko für Wundinfektionen nach einer Operation steigt an deutschen Kliniken an, wenn sich die Monatsmitteltemperaturen erhöhen und besonders, wenn sie ≥ 20 Grad Celsius erreichen. Vor allem oberflächliche Infektionen mit gramnegativen Bakterien werden häufiger.

Hintergrund

Postoperative Wundinfektionen sind die dritthäufigste nosokomiale Infektionsart an deutschen Krankenhäusern. Ein Teil der nosokomialen Infekte (NI), auch der operationsbedingten NI, könnte vermieden werden. Dieser Anteil wird auf 30-50 % geschätzt. Einer von vielen Risikofaktoren für Wundinfektionen ist die Außentemperatur. Auf Basis des deutschen Krankenhaus-Surveillance-Systems OP-KISS und unter Berücksichtigung von meteorologischen Daten des Deutschen Wetterdienstes ist eine mögliche die Assoziation zwischen der Häufigheit postoperativer Wundinfektionen mit den Außentemperaturen untersucht worden.

Design

  • Analyse der Wundinfektionsraten nach Operation bei Patienten von Krankenhausabteilungen, die sich an der Surveillance OP-KISS beteiligen
  • teilnehmende Krankenhausabteilungen: 1.455
  • Falldefinition: Wundinfektion bei Operationen ohne Fremdkörperimplantat bis zum 30. Tag postoperativ, bei Patienten mit Einbringen eines Implantats bis zum 365. Tag postoperativ
  • Beobachtungszeitraum: Januar 2000-Dezember 2016

Hauptergebnisse

Von 2.004.793 chirurgischen Eingriffen lagen Daten vor. 53 % dieser Eingriffe erfolgten bei Monatsmitteltemperaturen von -5° bis +10° Celsius, bei den übrigen Eingriffen lagen die Monatsmitteltemperaturen darüber. Die Rate der Wundinfektionen (WI) pro 1.000 Operationen lag bei 16,02. Wurde die Wundinfektionsrate in Abhängigkeit von den Außentemperaturen ermittelt, so lag sie bei Monatsmittelwerten ≥ 20 ° C um 13 % über der Gesamt-WI-Rate und um 22 % über der WI-Rate der untersten Temperaturkategorie von -5 °C bis +4,9 ° C.

Vor allem oberflächliche Wundinfektionen wurden häufiger: Bei Monatsmitteltemperaturen ≥ 20 ° C war die Rate um 18,5 % erhöht gegenüber dem Mittelwert der oberflächlichen WI über alle Temperaturkategorien hinweg und um 28 % gegenüber der Rate der oberflächlichen WI in der untersten Temperaturkategorie (-5 °C bis +4,9 ° C). Bei den oberflächlichen WI mit Erregernachweis fiel vor allem die Zunahme durch gramnegative Erreger bei höheren Außentemperaturen auf.

Klinische Bedeutung

Es gibt eine Assoziation zwischen Klimafaktoren und der postoperativen Wundinfektionsrate in Deutschland. Eine Präventionsstrategie könnte nach Meinung der Autoren sein, bestimmte elektive Operationen in kühleren Monaten durchzuführen oder die antimikrobielle Prophylaxe und die präoperativen Dekolonisationsmaßnahmen an saisonale Erregerschwankungen anzupassen. Dabei sollte der prognostizierte Temperaturanstieg durch den Klimawandel um bis zu 4 ° C am Ende des Jahrhunderts gegenüber vorindustriellen Bedingungen für zukünftige Präventionsstrategien berücksichtigt werden.

Finanzierung: keine Angaben